Flyer Tagungsprogramm
Tagung “Sprache, Wissen, Medien” am KIT (Foto: Philipp Schrögel)

Wissen kann auf vielen Wegen vermittelt werden, doch egal ob es um digitale Formate, Fernsehdokus, Comics oder Kinderbücher geht, ein zentrales Element ist die Sprache. Ihr Einsatz hat deswegen Einfluss darauf, wie Wissensthemen in der Gesellschaft wahrgenommen und diskutiert werden. Über diese Zusammenhänge sprachen die Mitglieder der DGPuK-Fachgruppe “Mediensprache – Mediendiskurse”, die sich am vergangenen Wochenende bei uns in Karlsruhe getroffen haben. Während der Tagung “Sprache, Wissen, Medien” stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre aktuelle Forschung vor, für weitere Denkanstöße sorgten Gäste wie die Journalistin Silke Burmester und Heike Tappe, die als Linguistin in Südafrika lehrt.

Heike Tappe von der University of KwaZulu-Natal in Durban hielt gleich am ersten Tag die Keynote. Sie verglich die Situation in Deutschland, wo sich besorgniserregend viele Menschen von einer wissenschaftlichen Weltsicht abwenden, mit ihren Eindrücken aus Südafrika. Sie berichtete, dass durch die Erfahrungen aus der Kolonialzeit gerade junge Erwachsene Wissenschaft als “von Weißen dominiert” wahrnehmen und sie daher stark ablehnen. Ihrem Ärger machen sie unter dem Stichwort #sciencemustfall Luft. Auch die vielen Sprachen der afrikanischen Länder erschweren den Zugang zu wissenschaftlichem Wissen und dem Forschungsalltag an den Universitäten. Tappe sieht daher die Popularisierung von Wissenschaft als eine große Chance, um gerade die junge Bevölkerung zu erreichen. Mit ihrer Forschungsgruppe in Durban denkt sie zum Beispiel darüber nach, ob Science Slams ein Format sein könnten, das der afrikanischen Tradition, Wissen mündlich weiterzugeben, besonders entgegenkommt.

Annette Leßmöllmann bei Tagung "Literatur, Sprache, Medien"
Annette Leßmöllmann beim Abendempfang im Schloss Karlsruhe (Foto: Philipp Schrögel)

Die folgenden Vorträge beleuchteten unterschiedliche Formate. Es ging um Wissenschaft in Comics, der Darstellung von Ungewissheit und Nichtwissen in Büchern zur Kinder-Uni sowie um die Frage, wie Nutzer in Youtube-Foren von Wissenssendungen interagieren. Auch die Wissensinszenierung in politischen Online-Diskursen auf Twitter war ein Thema. Den Abschluss des ersten Tages bildete ein Empfang im Schloss Karlsruhe. Den Abend eröffnete Annette Leßmöllmann, Leiterin der Abteilung Wissenschaftskommunikation, und übergab an Silke Burmester, die gerade mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik geehrt worden war. Obwohl sie in ihrem Beruf wenig mit Sprachforschung zu tun hat, argumentierte sie in ihrem Impulsvortrag, wie wichtig es sei, als Journalist so präzise und bewusst wie möglich zu formulieren. Man dürfe beispielsweise nicht bedenkenlos Begriffe wie “Säuberung” übernehmen, wenn über die Situation an türkischen Universitäten berichtet werde. In der anschließenden Podiumsdiskussion wand Hans-Jürgen Bucher von der Universität Trier ein, Sprache wäre nur das eine – mindestens ebenso wichtig sei jedoch, in welche Art von Diskurs man mit einer solchen Wortwahl einsteige. Gemeinsam mit Moderator Michael Blume und Daniel Perrin von der ZHAW Winterhur überlegten sie, ob Satire ein Werkzeug sein kann, um populistische Argumente auszuhebeln.

Den zweiten Tag leiteten unsere Studierenden aus dem Bachelor und Master WMK ein, die ihre Forschungsprojekte zu digitalen Tools der NZZ und zur Risikokommunikation des Bundesamts für Strahlenschutz vorstellten. Die anschließenden Vorträge drehten sich erneut um gute und schlechte Formulierungen, etwa um die Verwendung von Satzanfängen wie “Wir wissen heute…” im Wissenschaftsjournalismus, Fachwörtern in Wissensdokus oder den Ausdruck “Newstickeritis” in den Diskussionsspalten von Wikipedia. Die Eindrücke der Tagung wirkten noch eine Weile nach, einige Reaktionen haben wir unten im Storify zusammengestellt. Markus Pössel, der die Tagung auf Twitter verfolgte, hat mit uns diskutiert und seine Gedanken in einem Blogpost zusammengefasst, Marcus Anhäuser hat ebenfalls Links dazu geteilt. An dieser Stelle weisen wir gern nochmals auf den Vortragsmitschnitt von Michael Blume zur “Wissenskommunikation in postfaktischen Zeiten” hin, den er für unsere Studierenden gehalten hat.

Wir danken den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und natürlich allen Helferinnen und Helfern für eine inspirierende Tagung!

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Diskurse in den Medien und Science Slams in Südafrika

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