Vor fast genau einem Jahr kündigte die Neue Züricher Zeitung an, ein neues Storytelling-Team unter der Leitung des Digitalredakteurs David Bauer aufzubauen. Die Gruppe aus Datenjournalisten, Grafikdesignern und Web-Entwicklern soll “Vorlagen für digitale und visuelle Erzählformen entwickeln, testen und diese nicht nur für Leuchtturm-Projekte, sondern auch im journalistishen Alltag nutzen”. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass die Online-Texte der NZZ mit digitalen Elementen ergänzt werden, die Daten visualisieren oder dem Leser zusätzliche Informationen liefern. Wie gut der Einsatz dieser Digitaltools in der Praxis gelingt, haben die WMK-Masterstudierenden des 2. Semesters in einem Kooperationsprojekt mit der NZZ untersucht.

Straße in Zürich
WMK-Besuch im sommerlichen Zürich (Foto: Caroline Triebler)

Im Rahmen des Seminars “Qualitative Methoden” bei Dr. Philipp Niemann griffen die Studierenden vier typische Tools heraus: klassische Balken- oder Liniendiagramme, Landkarten, Slider zum Übereinanderlegen von Vorher-Nachher-Bildern sowie Infografiken zu Volksabstimmungen in der Schweiz (Beispiele dazu hier). Die meisten der digitalen Werkzeuge sind interaktiv angelegt, die Nutzer können beispielsweise in die Karten hineinzoomen oder in den Infografiken weitere Felder öffnen.

Sicht auf Computerbildschirm
Auswertung der Daten (Foto: Philipp Schrögel)

Die Studierenden wählten Artikel aus, in denen die genannten Tools zum Einsatz kamen, und legten sie Probanden im Rezeptionslabor des Studiengangs WMK vor. Während die Testteilnehmer am Computerbildschirm die Beiträge lasen, lief eine automatische Blickaufzeichnung. Im Anschluss wurden sie von den Studierenden befragt, was ihnen bei der Nutzung der Tools aufgefallen war, was ihnen gefiel oder was sie vermisst hatten.

Beim Auswerten der Aufzeichnungen und Interviews legten die Masterstudierenden ihr Augenmerk auf Fragen wie: Welchen Mehrwert hatten die digitalen Tools für die Probanden? Waren Gestaltung und Beschriftung verständlich? Wurden die interaktiven Möglichkeiten erkannt und auch genutzt? An welcher Stelle im Text sollten solche Tools am besten plaziert werden – als Eyecatcher am Anfang oder besser später im Text, wenn der Nutzer die ersten Absätze zum Thema bereits gelesen hat?

Präsentation im Sitzungsraum
Präsentation der Ergebnisse in der NZZ-Redaktion (Foto: Caroline Triebler)

Ihre Ergebnisse präsentierten sie dem Storytelling-Team der NZZ bei einem Besuch in Zürich am Ende des Sommersemesters. Den Redakteuren lieferten sie damit Diskussionsstoff und Denkanstöße für ihre weitere Arbeit. Die Teilnehmer des WMK-Masterseminars wiederum lernten den Ablauf einer Rezeptionsstudie kennen, indem sie ihre Teilprojekte selbst planten, durchführten, auswerteten und aufbereiteten. Diese Arbeitsschritte an einem Fallbeispiel aus der Praxis durchzuspielen, machte für viele von ihnen den Reiz des Projekts aus.

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Digitales Storytelling am Beispiel der Neuen Züricher Zeitung
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