Einige unserer WMK-Studierenden sind im Rahmen ihres Studiums ins Ausland gegangen, in loser Folge berichten sie hier über ihre Erfahrungen. Laura Schmidt hat von August bis Dezember 2016 in Santiago de Chile studiert, anschließend ist sie weitere vier Monate für ein Praktikum geblieben. Organisiert hat sie den Aufenthalt über das KIT und mit dem Baden-Württemberg-Stipendium. Mehr Informationen über Auslandssemester bei WMK finden Sie hier und hier.

Meine Vorbereitung hat schon ein Jahr vor dem Auslandssemester begonnen. Schon in meinem zweiten Semester an der Uni habe ich mich mit diesem Thema befasst. Mir war eigentlich seit Beginn meines Studiums immer klar, dass ich ein Semester im Ausland studieren möchte.

Luftbild der Stadt
Santiago de Chile von oben (Foto: Laura Schmidt)

Vom KIT aus gibt es Direktkooperationen mit vielen Universitäten in Chile. Ich musste dann nachschauen, wo es einen ähnlichen Studiengang zu meinem in Karlsruhe gibt oder zumindest ähnliche Fächer. Als Stadt haben mich dann relativ schnell für Santiago de Chile begeistert. Das KIT hat eine Partneruniversität in Santiago: die Pontificia Universidad Católica de Chile. Das ist laut diversen Rankings die beste Universität in Südamerika. Nicht nur das hat mich davon überzeugt, mich dort zu bewerben, diese Uni hat eine ganze Fakultät zum Bereich Kommunikation. Ich musste mich also nicht unbedingt auf einen Studiengang festlegen, da es viele Studiengänge im Bereich Kommunikation gibt, von denen ich mir Fächer anrechnen lassen konnte. Der Studiengang Journalismus ist dort anscheinend sehr beliebt und der Abschluss zählt zu den besten im ganzen Land. Für die Chilenen ist es ganz schön kompliziert in diesen Studiengang aufgenommen zu werden, es gibt nur eine begrenzte Anzahl an aufgenommenen Studenten, hohe Anforderungen, Auswahlgespräche und Tests.

Vorbereitung

Der Bewerbungsprozess für das Auslandssemester war sehr klar strukturiert, sowohl am Karlsruher Institut für Technologie als auch für das Baden-Württemberg-Stipendium. Es war klar ersichtlich, welche Schritte bis zu welchem Zeitpunkt durchgeführt werden müssen. Nach der Zusage durch das International Students Office des KIT (kam im Oktober) begann ich mit meinen privaten Vorbereitungen. Die wichtigsten Punkte waren die Beantragung des Visums, alle erforderlichen Impfungen zu erhalten und einen Mieter für mein Zimmer zu finden.

Ich hatte bereits in der Schule Spanisch gewählt, wollte dennoch meine Kenntnisse vor dem Aufenthalt im Chile auffrischen und besuchte die Semester vor der Abreise Spanisch-Kurse am Spracheninstitut des KIT. Im Semester vor meinem Auslandssemester fand ich einem chilenischen Tandem Partner über das Tandemportal des Studentenwerks Karlsruhe. Wir trafen uns regelmäßig, sprachen spanisch und deutsch abwechselnd und in Chile wurde ich sogar zu einem Besuch bei seiner Familie eingeladen. Zusätzlich lernte ich Spanisch vor und während meines Aufenthalts mit der App Duolingo, die ich gerne weiterempfehle.

See umgeben von Häusern, Wald und Wiesen
Impressionen aus Santiago de Chile (Foto: Laura Schmidt)

Vor meiner Abreise hatte ich Kontakt zu Personen, die das Baden-Württemberg-Stipendium erhalten haben und ebenfalls an der Pontificia Universidad de Chile studiert haben. Durch diese Personen wurde mir der Einstieg erleichtert, da diese mir viele Fragen beantworten konnten und ich so nicht komplett ins „Blaue“ gefahren bin. Ich wusste durch diese Personen, etwa was mich erwartet und auf was ich mich einstellen kann. Nach Abschluss der Bewerbung am KIT (Ende August) habe ich eine Zusage vom KIT Anfang Oktober 2015 erhalten und die offizielle Bestätigung durch die PUC im Frühjahr 2016. Anschließend musste man sich online einschreiben. Danach wurde ich in einen Dropbox-Ordner eingeladen, in den ich weitere persönliche Unterlagen hochladen konnte.

Studieren an der PUC

Bei der Einführungsveranstaltung wird den Studenten der aktuelle Kurskatalog in gedruckter Form ausgehändigt. Nun konnte man von der PUC ausgewählte Kurse an den jeweiligen Fakultäten wählen. Es gab leider nur eine kleine Auswahl an Kursen an der Fakultät für Kommunikation. Daher wurde mir angeboten, auch weitere Kurse zu besuchen, welche nicht im Kurskatalog für Austauschstudenten vorgegeben waren. Es gibt eine kleine Anzahl an Kursen, die nur für Austauschstudenten sind. Aber die meisten Kurse sind natürlich mit den chilenischen Studierenden.

Man hatte die Möglichkeit fakultätsübergreifend Kurse zu wählen. Von der PUC wird den Austauschstudenten empfohlen, nur drei bis vier Kurse zu wählen. Man muss beachten, dass Kurse mindestens zweimal pro Woche stattfinden und die Vor- und Nachbereitung der Kurse essenziell ist. Innerhalb von den ersten zwei Wochen muss man sich im jeweiligen Sekretariat der Fakultäten für die gewünschten Kurse anmelden.

Nach der Kurswahl hat man zwei weitere Wochen Zeit ohne Angaben von Gründen aus dem Kurs auszutreten, da dieser eventuell den Vorstellungen nicht entspricht. Ich bin aus einem Kurs ausgetreten. Dieser setzte bestimmte Kenntnisse zur Videoproduktion voraus, die ich nicht besitze.

Zerfurchte Wüstenlandschaft
Valle de la Luna in der Atacama Wüste, Chile (Foto: Laura Schmidt)

Wohnen, Sprache und Reisen

An der PUC gibt es eine Art Hochschulgruppe mit dem Namen CAUC „Comision De Acogida UC“. Diese organisiert (nur für internationale Studenten) jede Menge Reisen, Partys und Möglichkeiten, die chilenische Kultur näher kennenzulernen. Schon direkt nach der Einführungsveranstaltung an der Uni hieß es, jetzt wird gefeiert! Seither habe ich an fast jeder Feier oder sonstigen Veranstaltung dieser Hochschulgruppe teilgenommen. Man kommt einfach unglaublich schnell mit anderen Austauschstudenten in Kontakt. Auch die Reisen, welche von dieser Hochschulgruppe angeboten werden, sind immer vergünstigt und jedes Wochenende geht es an einen anderen Ort. Die Reisen sind entweder über das Wochenende oder drei bis vier Tage. Dieses Institut ist aber auch eine hilfreiche Anlaufstelle für alle Fragen und Probleme der Austauschstudenten.

Gewohnt habe ich mit acht weiteren Studenten und dem Vermieter in einem sehr großen Haus. Dieses liegt im Stadtteil Providencia und befindet sich daher sehr nah zum Zentrum. Die Lage ist überragend. Die Metro war in zwei Minuten zu erreichen und die Universität in circa zwanzig Minuten. Da im Haus alle unterschiedliche Stundenpläne/Arbeitszeiten hatten, haben wir uns hauptsächlich nachmittags, abends und eben am Wochenende gesehen. Das Haus besteht aus einem großen Garten (in dem oft gegrillt und gefeiert wurde), einer großen Küche mit Esszimmer, ein großes Wohnzimmer, zwei Badezimmer und natürlich zehn Schlafzimmer.

(Foto: Laura Schmidt)

In Chile spricht man kein Spanisch, man spricht „Chileno“. Das ist anscheinend das schnellste Spanisch auf der Welt und beinhaltet Wörter, die man nur in Chile sagt und versteht. Selbst Sanier, die ich kennenlernen durfte, hatten zu Anfang Probleme den starken Dialekt der Chilenen zu verstehen. Es erfordert eine Menge Konzentration, um eine richtige Unterhaltung mit einem Chilenen zu führen und trotzdem versteht man nur die Hälfte. Mit der Zeit hat man sich aber zum Glück daran gewöhnt und angepasst. Meine Vorlesungen waren alle auf Spanisch und im Haus versuchten wir auch so gut es geht, miteinander auf Spanisch zu sprechen. Wenn ein Chilene merkt, dass man Ausländer ist oder nicht gut Spanisch kann, wiederholen sie gerne unzählige Male, was sie soeben gesagt haben anstatt es einfach langsamer oder umformuliert zu sagen. Aber es wurde den Austauschstudenten immer versichert „wenn du ein halbes Jahr in Chile verbracht hast, verstehst du jedes Spanisch auf der ganzen Welt“.

In den meisten Städten in Chile kann man jeden Tag seinen Einkauf erledigen. Lebensmittel kosten deutlich mehr als in Deutschland. Eine 1,5 Liter Flasche Sprudel kostet in Chile umgerechnet einen Euro. Am teuersten sind Obst, Gemüse, Fleisch- und Milchprodukte. Am besten ist es, wenn man das Obst und Gemüse auf einem Markt einkauft. Dort kann man handeln, findet allgemein niedrigere Preise als im Supermarkt und die Qualität ist meistens besser. Empfehlenswert ist der Mercado La Vega.

Ein paar praktische Tipps:

  • Richtig packen. Am besten nimmt man etwas für alle Jahreszeiten mit! Wenn man so wie ich im Juli in Santiago ankommt, ist Winter und man muss sich sehr warm anziehen. Zu dieser Zeit sieht man auch den Schnee auf den Anden. Die meisten Gebäude in Chile sind sehr schlecht isoliert und haben keine Heizung. In Zimmern wird meistens mit einem Gasofen geheizt. Später im Jahr, von Dezember bis Februar sehr heiß, und man kann seine Sommerkleidung tragen. Zu dieser Zeit ist es die reinste Qual, mit der Metro zu fahren.
  • Wenn im Anschluss an das Semester noch ein wenig Zeit (und Geld) übrig ist, sollte man unbedingt den Süden und Norden von Chile erkundigen. Auch Argentinien, Peru und Bolivien sind sehr interessant und im Vergleich zu Chile, deutlich günstiger. Das sollte man sich nicht entgehen lassen!
  • Hat man ein Visum beantrag und ist in das Land eingereist, ist es notwendig sich bei der Polizei (Policía de Investigaciones de Chile – PDI) und bei der Stadt zu melden. Um sich unnötig lange Wartezeiten in zwei überfüllten Öffentlichen Einrichtungen zu ersparen, gibt es für die Austauschstudenten der PUC eine Veranstaltung, bei der beide Einrichtungen auf einmal ihre Dienste anbieten. Dazu am besten die Einführungsveranstaltung abwarten oder bei der Gruppe CAUC nachfragen.
(Foto: Laura Schmidt)

Ein Auslandssemester im Studium zu machen ist eine außergewöhnliche Möglichkeit, um zu erfahren, wie Menschen und Kulturen in anderen Ländern der Welt leben, was sie antreibt und wo Ähnlichkeiten zur Lebensweise in Deutschland liegen. Es war so einfach im Studium ins Ausland zu gehen. Durch die Unterstützung des International Student Office des KIT, dem Baden-Württemberg Stipendium, meiner Auslandsbetreuerin Frau Scheibe am KIT, meiner Auslandsbetreuerin Patricia Uribe Muñoz an der PUC in Chile, meinen Mitbewohner in Santiago und meinen hilfsbereiten chilenischen Kommilitonen an der Uni lief der komplette Aufenthalt problemlos ab. Dank der finanziellen Unterstützung durch das Baden-Württemberg Stipendium konnte ich mich voll und ganz auf das Abenteuer einlassen und das Beste aus meiner Zeit in Chile machen. Meine Erwartungen an das Auslandssemester wurden bei Weitem übertroffen.

Laura Schmidt

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
WMK um die Welt: Chile
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