In unserem Projekt “Buedeka – Bürgerdelphi Keimbahntherapie” diskutieren Bürgerinnen und Bürger über bioethische Fragen. Sebastian Cacean koordiniert Buedeka seit Ende 2017, im April fand der zentrale Workshop in Berlin statt. Worüber genau debattiert wird und wie er selbst zu dem Format Bürgerdelphi gekommen ist, erklärt er in den “3 Fragen”.

Wie bist du zur Wissenschaftskommunikation gekommen?

Mein Weg zur Wissenschaftskommunikation verlief über einige Umwege. Nach meinem Physikstudium habe ich eine Dissertation mit einem stark wissenschaftstheoretischen Schwerpunkt über den Begriff der Wahrscheinlichkeit begonnen. In der Philosophie haben mich jedoch schon immer auch andere Themen interessiert.

Insbesondere die Visualisierung komplexer Debatten mit Hilfe von Argumentkarten erschien mit nicht nur hilfreich für den eigenen Verstehensprozess. Mit Argumentkarten können argumentative Zusammenhänge aggregiert und visuell ansprechend dargestellt werden. Auch wenn die Erstellung von Argumentkarten viel Erfahrung und einen Hintergrund in angewandter Argumentationstheorie voraussetzen, sind sie ähnlich einfach zu verstehen wie Mind-Maps. In Lehrveranstaltungen habe ich überwiegend positive Erfahrungen mit der Methode der Argumentkartierung gesammelt. Aus der Perspektive der Wissenschaftskommunikation stellen sich nun ganz unterschiedliche Fragen:

  • Wie gut eignen sich Argumentkarten zur Darstellung komplexer Debatten? Welche Vorteile haben sie gegenüber klassischen Formaten wie beispielsweise Pro-Kontra-Listen?
  • Sind Argumentkarten intuitiv zugänglich? Können Laien Argumentkarten einfach verstehen?
  • Wie ordnet man Argumente in einer Argumentkarte nach welchen Kriterien am besten an?

An welchen (Forschungs-)Projekten arbeitest du hier in der Abteilung?

Das Projekt “Bürgerdelphi Keimbahntherapie” ist ein vom BMBF geförderter Beteiligungsprozess, in dem sich freiwillig teilnehmende Bürgerinnen und Bürger über Keimbahntherapien informieren und ihre Meinungen austauschen. In diesem Projekt bin ich für die Begleitforschung zuständig. Über Evaluationsfragebögen erfassen wir, ob der Prozess anerkannten Gütekriterien von Beteiligungsprozessen genügt. Meinungserhebungen sollen darüber hinaus untersuchen, wie sich die Meinungen und Ansichten der Teilnehmenden über den Prozesszeitraum hinweg verändern.

Welche Themen aus dem Feld Wissenschaftskommunikation beschäftigen dich sonst noch?

Neben der Rolle von Argumentkarten interessiert mich die Frage, wie man Laien in ihrer Meinungsbildung unterstützen kann. Viele der aktuellen gesellschaftlich relevanten Debatten (z.B. climate engineering, cognitive enhancement, genetic engineering) setzen Einiges an wissenschaftlichem Hintergrundwissen voraus. Im besten Fall will man Laien in die Lage versetzen, selbst einen relevanten Input für den Diskurs zu liefern. Ist man bescheidener, wird man Laien zumindest darin unterstützen, sich eine informierte Meinung zu bilden. Um diese aus demokratietheoretischer Perspektive wichtigen Ziele zu erreichen, muss man unter anderem die folgenden Fragen systematisch und wissenschaftlich beantworten:

  • Welche Art von Wissen ist notwendig, um zu einer (informierten) Meinung im Kontext einer spezifischen (moralischen) Debatte zu gelangen?
  • Wie viel Wissen ist dafür notwendig? Mit welchem “Minimalwissen” kommt man aus? Welche technischen Details können beispielsweise weggelassen werden, weil sie für die Meinungsbildung weniger relevant sind?
  • In welchen Formaten und mit welchen Mitteln kommuniziert man dieses Minimalwissen?
Neuer Mitarbeiter: Sebastian Cacean

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

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