Hans Bächle, Student im Bachelor WMK, hat vom 8. bis 11. November 2017 an der Lernwerkstatt Technikkommunikation für Nachwuchskräfte aus Wissenschaftskommunikation, Wissenschaft, Journalismus und Wirtschaft teilgenommen. Hier schildert er den Ablauf des Workshops und seine Erfahrungen. Termine zu den Lernwerkstätten 2018 sind auf den Seiten von Wissenschaft im Dialog zu finden.

Wie funktioniert ein Verbrennungsmotor oder ein GPS-Gerät? Aus was besteht die Marsatmosphäre und wie wird sie erforscht? Warum fliegt ein Flugzeug? Seit Generationen liefert das Deutsche Museum Antworten auf solche Fragen. Hier erfährt man Technik- und Wissenschaftskommunikation hautnah. Das Museum trägt somit als Veranstaltungsort der „Lernwerkstatt Technikkommunikation“ symbolischen Charakter. Ziel der jährlich stattfindenden Lernwerkstatt ist es, den Teilnehmern einen Einblick in die Methoden, Herausforderungen und Chancen der Technikkommunikation in Deutschland zu vermitteln. Im November 2017 hatte ich mit 15 weiteren Teilnehmenden das Glück, dort dabei zu sein.

Blick auf Fassade des Deutschen Museums
Deutsches Museum in München (Foto: Deutsches Museum)

Organisiert wird die Lernwerkstatt von Wissenschaft im Dialog in Kooperation mit der acatech. Wissenschaft im Dialog (WiD) ist eine NGO, die sich für den Austausch und Dialog über Forschung in Deutschland engagiert. Die acatech ist die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften.

Tag 1: Das Zahnrad kann sexy

Nachdem sich mittags alle Teilnehmer im Kerschensteiner Kolleg – der Herberge und Fortbildungsstätte des Deutschen Museums – eingefunden hatten, eröffnete Moderatorin Ricarda Ziegler (WiD) die Lernwerkstatt mit der obligatorischen Vorstellungsrunde: Physik, Biologie, Psychologie, Germanistik, Politikwissenschaften, BWL, WMK; Student, Doktorand, arbeitssuchend – es war interessant zu beobachten, welche Vorstellungen, Wahrnehmungen und Motive die Teilnehmenden mit ihren verschiedenen Hintergründen zum Thema Technikkommunikation mitbrachten.

Bei der Einführung in die Technikkommunikation durch WiD-Geschäftsführer Markus Weißkopf bekam ich anstatt Neuem zunächst Altbekanntes zu hören: Weißkopf erläuterte Technik- und Wissenschaftskommunikation anhand des „Drei-Akteure-Modell“ von Carsten Könneker. Generell lag der Workshop dem WMK-Studiengang inhaltlich sehr nahe, was aber keinesfalls heißen soll, für mich wäre alles kalter Kaffee! Schon bei der Mini-Führung durchs Deutsche Museum mit dem Technikhistoriker Ulrich Wengenroth von der TU München erfuhren wir, was gute Technikkommunikation in der Praxis ausmacht. Als dieser ankündigte, seine Führung drehe sich rund ums Zahnrad, rollten einige (auch ich) à la oh-Gott-das-wird-zäh mit den Augen. Irrtum! Wengenroth vermittelte uns viel Wissenswertes zum Zahnrad, schmackhaft verpackt in unterhaltsamen Anekdoten, Fun-Facts und geschichtlichen Hintergründen, garniert mit Aha-Momenten. Überraschend kurzweilig und viel gelernt.

Zum Abschluss des ersten Tages spazierten wir mit Marc-Denis Weitze (Leiter Technikkommunikation bei acatech) einmal quer durch die Münchner Innenstadt zum Karolinenplatz, wo sich der Hauptsitz der Akademie der Technikwissenschaften befindet. Dort empfing uns deren Präsident, Dieter Spath, persönlich. Noble Geste von einem Herrn, der normal mit dem Bundespräsidenten und diversen Ministern verkehrt, sich auch Zeit für den Nachwuchs zu nehmen. In seinem Vortrag zur Industrie 4.0 und dem Internet of Things unterstrich Spath, dass gezielte und transparente Technikkommunikation in einer technisch-volatilen Welt unabdinglich ist. Bei dem von der Akademie gesponserten Buffet mit Häppchen und Weißbier (Bayern-Klischee bestätigt) wurde dann unter den Teilnehmenden das Eis gebrochen.

Tag 2: Raketenunglück im Kinderzimmer

„Stellen Sie sich vor, Sie kommen morgens nichtsahnend ins Büro und der Journalist am Telefon fragt Sie, ob die Rakete in dem Kinderzimmer von Ihnen sei.“ Neben ausführlicher Theorie zur Wissenschafts-PR berichtete Elisabeth Hoffmann, Pressesprecherin der TU Braunschweig, von ihrer ganz persönlichen Erfahrung in puncto Krisen-PR: Studierende ihrer Uni hatten aus Versehen eine Rakete in ein Wohnhaus, besser gesagt dessen Kinderzimmer, gejagt. Außer einem Teddybären wurde glücklicherweise niemand verletzt. Viel kommunikatives Fingerspitzengefühl hatte die Situation trotzdem verlangt.

Jeanne Rubner stelle die Trends der Technik- und Wissenschaftskommunikation in den Medien vor. Die Wissenschaftsjournalistin des Bayrischen Rundfunks sieht in den journalistisch aufbereiteten Youtube-Videos von In a nutshell, Veritasium oder Vsauce viel Potenzial. Diese seien „kurz und knackig“ und treffen den Nerv der Zeit.

Zeit hatten dann wir Teilnehmenden, um auf eigene Faust das Deutsche Museum zu erkunden – aber leider zu wenig. Dies wurde jedoch mit einer einzigartigen Führung durch die Museumswerkstätten vertröstet. Dort bekamen wir erklärt, wie Dioramen gebastelt oder Exponate restauriert werden. Beeindruckend war die Vielfältigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: In den Werkstätten arbeiten unter anderem Maler, Bildhauer, Schreiner, Mechaniker, Elektroniker und Uhrenmacher. Das Deutsche Museum ist nicht nur ein Ort der Technikkommunikation, sondern auch ein Ort des Handwerks – was in Betracht des historischen Kontexts auch durchaus Sinn macht.

Installation aus Nachbildungen der Zellorganellen in unterschiedlichen Formen und Farben
Die begehbare Zelle: Eine der aufwendigen Installationen in der Ausstellung (Foto: Deutsches Museum)

Obendrauf gab’s dann noch eine Übung. In Kleingruppen sollten wir eine Kommunikationsstrategie zu einem Thema aus Wissenschaft oder Technik konzipieren und diese in einem zweiminütigen Pitch vorstellen. Kommunikationsziel, Zielgruppen, Medienkanäle. Leider war das Ganze etwas unkoordiniert. Aus dem Zwei-Minuten-Pitch wurde teils ein längeres Referat, was der Übung den Wind aus den Segeln nahm.

Tag 3: Naan und Spiele

Mit Norbert Aschenbrenner war auch ein Technikkommunikator aus der Wirtschaft vertreten. Bei der Siemens AG leitet er die Innovationskommunikation, kommuniziert also die neuen Technologien und Erfindungen der Siemens-Ingenieure an diverse Zielgruppen. Ein wichtiger Aspekt der Innovationskommunikation ist für ihn die Nachwuchsförderung. Den jungen Leuten zu zeigen, was für coole und kreative Technologien ein Unternehmen auf den Markt bringe, sei die beste Werbung für Nachwuchskräfte. Sein persönlicher Kommunikationstipp an uns Teilnehmer: Wenn’s geht lieber Telefon statt E-Mail – vor allem, wenn man den Kommunikationspartner noch nicht kennt.

Ortwin Renn vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam ist eine Koryphäe der Risikokommunikation in Deutschland und gab uns eine äußerst umfassende Einführung in sein Fachgebiet. Von den Grundproblemen der Wissensrezeption, der Risikowahrnehmung, bis hin zur Bereitschaft zur Akzeptanz beschrieb er von Grund auf die Entstehung von Konflikten zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Egal ob Gentechnik, Fracking oder künstliche Intelligenz – Wissenschafts- und Technikkommunikation gelinge in Risikosituationen nur durch einen Dialog auf Augenhöhe der Konfliktparteien. Wo Partizipation der Gesellschaft in Wissenschaft und Technik möglich sei, müsse diese unbedingt erfolgen.

Anschließend demonstrierte uns die Psychologin Eva Thomm von der Uni Erfurt bei einem coolen Experiment vor Ort, wie Kommunikation zustande kommt, beziehungsweise richtig funktioniert. Außerdem vertiefte sie die psychologischen Ansätze der Wissenschaftskommunikation, die zuvor Ortwin Renn in seinem Vortrag aufgegriffen hatte. Besonders interessant war ihr Beitrag zur „scientific literacy“, einer naturwissenschaftlichen Grundbildung, die bei jedem unterschiedlich ausgeprägt ist und neben dem IQ bei der Lösungsfindung von Problemen eine Rolle spielt.

Während der „Speaker’s Corner“ hatten wir selbst die Möglichkeit, eigene Ideen zur Wissenschafts- und Technikkommunikation vorzustellen und zu diskutieren. Physiker Marcus hatte die Idee, Wissenschaftskommunikation als Modul in das Curriculum eines jeden naturwissenschaftlichen Studiengangs mitaufzunehmen. Ergebnis der Diskussionsrunde: Starke Idee, leider nicht so einfach umzusetzen.

Nachdem wir uns dann den Bauch beim Inder vollgestopft hatten, ließen wir unseren letzten gemeinsamen Abend im Kerschensteiner Kolleg mit dem Gesellschaftsspiel „Chapeau!“ ausklingen. Untereinander herrschte durchweg eine gute Atmosphäre, weshalb wir Teilnehmer auch via WhatsApp-Gruppe weiterhin in Kontakt bleiben.

Museumseingang bei Nacht
Museum am Abend (Foto: Deutsches Museum)

Tag 4: Zwitschern lernen

Direkt nach dem Frühstück hieß es hands-on: Rebecca Winkels von WiD versetzte uns in eine fingierte PR-Abteilung und wir sollten Tweets und Facebook-Posts zu Nachrichten aus Wissenschaft und Technik verfassen. Wie twittert man kurz und prägnant? Wie geht man mit Links und Hashtags um? Und wie nutzt man die Algorithmen zum Vorteil? Bei einer 140-Zeichen-Nachricht (beziehungswiese seit neuestem 280 Zeichen) gilt es verdammt viel zu beachten.

Während Winkels uns die Sozialen Medien auf Mikro-Ebene erklärte, lieferte uns Christoph Neuberger den Makro-Überblick. Der Medienwissenschaftler der LMU München machte darauf aufmerksam, dass sich die Nachrichtennutzung ins Internet und vor allem in die Sozialen Medien verlagert. Zudem schilderte er, was dies für die Wissenschaftskommunikation bedeutet. Das waren wiederum Inhalte, die ich größtenteils bereits aus dem WMK-Studium kannte.

Mit der Feedback-Runde leitete Ricarda Ziegler das Ende der „Lernwerkstatt Technikkommunikation 2017“ ein. Nach einer kleinen Stärkung verließen wir dann gegen Mittag die Museumsinsel im Herzen Münchens und traten die Heimreise an.

Fazit: Viel Input mitgenommen

Ich persönlich fand die Lernwerkstatt spitze. Trotz einiger Vorkenntnisse habe ich unglaublich viel gelernt, zudem tolle Leute getroffen und eine Menge Spaß gehabt. Alles war top organisiert und die Location einzigartig. Die hochkarätigen Referentinnen und Referenten aus den verschiedenen Bereichen der Wissenschafts- und Technikkommunikation verschafften mir einen guten Überblick über ihre Fachgebiete und somit auch eine wertvolle Orientierungshilfe für die Zukunft. Zudem haben mir die Vorträge sowie der Austausch mit den anderen Teilnehmern massig neue Ideen und Denkanstöße beschert.

Hans Bächle

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

In der Lernwerkstatt Technikkommunikation

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