Einige unserer WMK-Studierenden sind im Rahmen ihres Studiums ins Ausland gegangen, in loser Folge berichten sie hier über ihre Erfahrungen. Franziska Schäfer hat für ein Semester im hohen Norden studiert und dort viel mehr erlebt als nur einen anderen Uni-Alltag. Mehr Informationen über Auslandssemester bei WMK finden Sie hier und hier.

1. Die Gastuniversität

Im Wintersemester 2016/17 habe ich ein Erasmus-Semester an der Universität in Tromsø absolviert. Tromsø liegt 350 km nördlich des Polarkreises in Nordnorwegen inmitten der Arktis. Daher ist es der perfekte Ort, um im Sommer die Mitternachtssonne und im Winter die Polarnacht mit Nordlichtern zu erleben.

Polarlicht (Bild: Olga Shavrina)

2. Organisation des Auslandaufenthaltes

Bewerbungsprozess

Der Bewerbungsprozess lief sehr einfach ab. Durch die bestehende Partnerschaft der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften am KIT mit der Universität in Tromsø konnte ich mich für ein Erasmus-Stipendium bewerben, das mir im Frühling zugesichert wurde.

Anreise

Nach einem erfolgreichen Bewerbungsprozess konnte ich die Anreise nach Tromsø planen. Hierbei ist es am einfachsten und billigsten, mit dem Flugzeug anzureisen. Weitere Möglichkeiten sind Auto- und Schiffsanreisen, die aber lange dauern und teuer sind. Schienenverkehr ist in Nordnorwegen nicht vorhanden. Am Flughafen, der sehr klein ist, habe ich schon viele weitere Austauschstudenten getroffen und wir wurden sogleich von Tromsøer Studenten begrüßt und mit Schlüsseln zu Studentenwohnheimen, Busfahrplänen und guten Tipps versorgt. Der Flughafen liegt auf der Insel und ist relativ zentral, die Innenstadt, Universität und Studentenwohnheime sind von hieraus mit dem Bus gut zu erreichen.

Herbst in Tromsø (Bild: Franziska Schäfer)

Unterkunft

In Tromsø gibt es viele Studentenwohnheime, in denen eigentlich jedem Austauschstudenten ein Platz garantiert wird. Das erspart eine Wohnungssuche von Deutschland aus. Ich war im Studentenwohnheim Ørndalen untergebracht, das am Nordzipfel der Insel liegt. Hier liegen viele kleine, rot und gelb gestrichene Häuser beieinander, in denen je sechs Studenten untergebracht sind. Auch wenn es eher einfach eingerichtet ist, sieht alles sehr schön und gemütlich aus und das Wohnheim hat viel zu bieten, sogar eine Sauna. Viele Zimmer haben eine wunderschöne Aussicht auf die Fjorde. Außerdem ist Ørndalen einer der besten Orte auf der Insel, um Nordlichter zu beobachten. Im Winter kann man von hier aus mit Schiern zur Uni fahren, und nahe dem Wohnheim gibt es kleine Seen, auf denen wir Schlittschuhlaufen konnten. Zur Uni hat es mit dem Bus ca. 10 Minuten gedauert.

(Bild: Franziska Schäfer)

3. Leben und Studieren in Tromsö

Leben

Das Leben in Tromsø habe ich komplett anders wahrgenommen als in Deutschland. Die Natur scheint sehr extrem, im Sommer war es kaum dunkel und ein paar Wochen später wurde es kaum noch hell. Die Temperaturen steigen selten über 20 Grad und im Winter kann es bitterkalt werden. Besonders im Herbst waren die Wege und Straßen so glatt, dass ich Spikes tragen musste. Außerdem waren die Schneeeinbrüche abenteuerlich: In einer Nacht konnte es so heftig schneien, dass ich am nächsten Tag im Tiefschnee zur Bushaltestelle laufen mussten.

(Bild: Franziska Schäfer)

Im Sommer bietet die Uni viele Wandertouren an, aber auch privat kann man die wunderschöne Gegend gut erkunden. Mit gemieteten Autos, per Anhalter und auch per Bus waren wir sehr schnell außerhalb der Zivilisation in den Bergen. In dieser Zeit habe ich viele Rentiere gesehen, und ab November auch Killerwale und Buckelwale in den Fjorden. Tromsø ist der perfekte Ort, um ab September Nordlichter zu beobachten. Diese Momente werde ich wohl nie vergessen. Auch wenn es dunkler wird, gibt es gute Möglichkeiten, Touren zu machen oder herumzureisen. Im Herbst konnte ich sogar nach Spitzbergen fliegen, was einer der Highlights im Auslandssemester war. Außerdem sind Schweden, Finnland und die Lofoten gut zu erreichen. Trotz der vielen Outdoor- und Sportaktivitäten kommen auch Partyvögel nicht zu kurz: Am Wochenende ist insbesondere nachts in Tromsø immer viel auf den Straßen los. Eintrittspreise in Discos und Clubs sind erschwinglich und auch in den Studentenwohnheimen wird viel gefeiert.

(Bild: Franziska Schäfer)

Studieren

Auch die Uni hat sich sehr vom KIT unterschieden. Die Kurse waren ziemlich klein und die Vorlesungen sehr interaktiv. Wir haben uns alle geduzt und die Dozenten kannten uns beim Namen. Außerdem waren sie sehr hilfsbereit und haben mir bei organisatorischen Sachen geholfen, wie meinen E-Mail Account zu aktivieren etc. Innerhalb der Vorlesungen haben wir viele Exkursionen und Ausflüge gemacht, wobei die Uni in der Regel die Kosten übernommen hat.

Die einzige Schwierigkeit ist, dass so gut wie alle Kurse mit 10 ECTS gezählt werden, was heißt, dass die Anerkennung eher kompliziert für mich war. Ich konnte mir maximal 15 ECTS anerkennen lassen. Daher habe ich die Kurse hauptsächlich nach Interesse gewählt und so an verschiedenen Fakultäten studiert. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich an der Uni zu engagieren. So habe ich zum Beispiel für das Uni-Magazin Utropia geschrieben.

Kosten

Das Leben in Norwegen ist bekanntermaßen teurer als in Deutschland, allerdings kommt man mit bestimmten Tricks auch einigermaßen gut davon. Ich habe im Monat circa 800 Euro inklusive Miete und Reisen ausgegeben. Dafür war ich aber nie in der Mensa essen und habe meistens mit meinen Mitbewohnern zusammen gekocht, außerdem habe ich in Clubs nie Getränke gekauft und war auch sonst nicht auswärts essen oder trinken. Da aber alle internationalen Studenten im selben Boot sitzen ist das okay und man weiß sich anderweitig zu helfen. Zum Beispiel waren wir ab und zu angeln, haben unser Bier mit sogenannten self-brewery kits selbst gebraut und Lebensmittel nach Sonderangeboten gekauft.

(Bild: Franziska Schäfer)

Ich kann allen Erasmus-interessierten Studierenden empfehlen, dass es auch lohnenswert sein kann, sich von großen Städten und bekannten Unis wegzutrauen. Da Tromsø im Polarkreis liegt, verspricht es viele Abenteuer und ein komplett anderes Leben als in Deutschland.

4. Nützliche Links:

https://www.boligtorget.no/studentiarktis/ (Unterkünfte)
https://en.uit.no/education/courses?semester=H&ar=2015&sted=179933 (Kurse)
https://www.samskipnaden.no/en/ (Studentenwerk)
https://www.ut.no (Wanderkarten)
https://www.tromskortet.no/ (Bussfahrpläne und Tickets)
https://visittromso.no/en (Übersicht Events und Aktionen)

Franziska Schäfer

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

WMK um die Welt: Norwegen
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