Dieser Beitrag entstand als Studienleistung im Rahmen der Ringvorlesung „Gefühlte Wahrheiten? Wissenschaftskommunikation und der „Fakten-Diskurs“ – Beiträge aus Forschung und Praxis“ von Annette Leßmöllmann und Christiane Hauser. Die teilnehmenden Studierenden besuchen die WMK-Ringvorlesung 2017 und schreiben Veranstaltungskritiken zu den Vorträgen. Eine Auswahl davon wird hier mit Zustimmung der Autor*innen veröffentlicht.

Die Qualität und Rolle des Wissenschaftsjournalismus in der Gesellschaft zu stärken, ist eines der starken Anliegen von Volker Stollorz. Er ist Leiter und Geschäftsführer des Science Media Center Germany (SMC) und hat diese Institution im Rahmen der  Ringvorlesung vorgestellt sowie einen kurzen Aus- beziehungsweise Einblick in Fake News gegeben und den Umgang damit erklärt.

Der Wissenschaftsjournalist Stollorz ist studierter Biologe und Philosoph und eröffnete seinen Vortrag mit folgender These: „Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft für neues Wissen“. Diese erklärte er damit, dass ständig fremdes und neues Wissen in unsere Gesellschaft gelange und dies kompetent zu Verarbeitung und Vermittlung ausgewählt werden müsse. Diese Wissensflut, die auf die Gesellschaft einströme, bedinge eine Ratlosigkeit, wie die Gesellschaft 2050 aufgrund von Innovationen und technischen Neuerungen aussehen könnte. „Dieser Prozess, der zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft stattfindet, ist historisch einzigartig“, sagt Stollorz. Daher sehe er die Mission des SMC auch darin, eine kompetente Einordnung von Forschung und Großereignissen zeitnah zu gewährleisten und zuverlässige Fakten und abgesicherte Einschätzungen von anerkannten Fachleuten zu liefern, um Journalisten eine Orientierung in dem Wirrwarr an Informationen zu bieten. „Wir bearbeiten aber nur Themen, die von gesellschaftlicher Relevanz sind und die die Öffentlichkeit oder die Politik in ihrer Entscheidungsfindung betreffen“, so der Referent.

Laut Stollorz besteht diese gemeinnützige GmbH, die von der Klaus Tschira Stiftung ermöglicht wird, unter anderem aus fünf Redakteuren, die 377 registrierte Journalisten bedienen und mit über vierhundert Wissenschaftlern kooperieren. Das Team des SMC stelle bisher vier konkrete Angebote für Journalisten zur Verfügung, zu fünfzig Themen aus den Bereichen Lebenswissenschaften/Medizin, Klima/Umwelt und IT/Technik/Energie:

Das Rapid Reaction liefere qualifizierte, schnelle und fundierte wissenschaftliche Einschätzungen zu aktuellen Ereignissen. Unabhängige Expertenmeinungen zu Forschungsergebnissen oder zu ausgewählten Beiträgen in wissenschaftlichen Journals biete das SMC mit dem Research in Context an. „Gut ist, dass diese Experten das Paper noch vor Ablauf der Sperrfrist, dem Embargo, kommentieren und sich so herausstellen kann, ob es von gesellschaftlicher Relevanz ist oder ob es eventuell sogar fehlerbehaftet ist“, sagt Stollorz.

Ein Fact Sheet stelle das SMC ebenfalls zur Verfügung, meist bereits im Vorfeld einer öffentlichen Bestätigung, über den Ausbruch Vogelgrippe beispielsweise, was den Journalisten als Hilfestellung dienen soll, die richtigen Fragen während ihrer Recherche zu stellen. Das SMC biete auch ein sogenanntes Press Briefing an, eine Art Pressekonferenz mit Wissenschaftlern.

Plakat Ringvorlesung 6

„Dieses Angebot können Journalisten nutzen, um Fragen direkt an kompetente Experten zu stellen, entweder von Angesicht zu Angesicht oder während einer Telefon- oder Onlinekonferenz“, so der Wissenschaftsjournalist. Um zu protokollieren, dass die Angebote des SMC auch genutzt werden, führt die gemeinnützige GmbH Monitoring-Maßnahmen durch, eine der täglichen Aufgaben.

Im nächsten Schritt erklärte der Referent seinen Zuhörerinnen und Zuhörern genau, wie die Themenauswahl bei SMC stattfinde und wies gleichzeitig darauf hin, dass sie aber noch auf der Suche nach einem einheitlichen Auswahlprozess seien und noch genauere Kriterien dafür entwickeln müssten. „Bisher steht besonders die Aktualität eines Themas bei unserer Auswahl im Vordergrund. Des Weiteren haben Themen eine höhere Priorität, über deren Sachverhalt zum Beispiel demokratisch entschieden werden muss oder die sich dynamisch entwickeln“, so Stollorz. Zum Schluss unterwies der Referent seine Zuhörerinnen und Zuhörer noch zum Thema Fake-News und wie man sie herausfiltern könne, um sie von echten News zu unterscheiden.

Der Vortrag von Stollorz war inhaltlich sehr dicht gepackt, was dazu führte, dass der Referent unter Zeitdruck stand und schnell sprach. Dennoch hat mir der Vortrag gefallen, da er praxisnahes Wissen vermittelte und einen Einblick in die Arbeit des SMC lieferte. Für Wissenschaftsjournalisten bietet es wirklich tolle Angebote, da es die komplexe Arbeit des Journalisten angenehmer gestaltet und beinahe vereinfacht, daher scheint mir das SMC eine wirkliche Bereicherung für den journalistischen Alltag zu sein. Es ist gut, dass das SMC keine fertigen journalistischen Beiträge produziert, sondern Experteneinschätzungen als „Rohstoff“ zur journalistischen Weiterverarbeitung liefert. Zusätzlich filtert es Themen nach gesellschaftlicher Relevanz und leistet somit eine Vorarbeit für Journalisten, was die unterbesetzten und unter Druck stehen Redaktionen entlastet. Da das SMC als Quelle nicht genannt werden muss, stehen damit weiterhin die wissenschaftlichen Experten und deren Institutionen im Vordergrund bei der Berichterstattung.

Doch nach welchen Kriterien selektiert das SMC genau beziehungsweise wird es irgendwann selektieren und wie kommt es dazu, sich überhaupt das Recht herauszunehmen dies zu tun und somit wiederum Journalisten und damit die Gesellschaft durch seine Auswahl zu beeinflussen? Woher wissen die Redakteure, welche Themen von gesellschaftlicher Relevanz sind und welche nicht?
Meiner Meinung ist das SMC eine tolle Dienstleistung mit guter Mission. Bedenken habe ich allerdings darüber, dass Journalisten in eine Abhängigkeit geführt oder auch zur Unmündigkeit erzogen werden könnten, indem sie keine eigenen Ideen und Einschätzungen mehr entwickeln, da sie sich voll und ganz auf die thematische und inhaltliche Vorarbeit des SMC verlassen.

Renée Arnold

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
„Expertise, wenn Wissenschaft Schlagzeilen macht“

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