Digital Natives, Generation Y, Journalismus 2.0 – viele der Themen der Wissenswerte zielen auf das junge Publikum zwischen 20 und 30. So waren wir vier Studentinnen des KIT nicht nur dabei, sondern auch die Zielgruppe der dreitägigen Veranstaltung in Bremen.

Die Wissenswerte 2016 startete vielversprechend mit einem Streitgespräch über den Einfluss von neuen Medien und Technologien auf Redaktionen. Die Folgen und Chancen der Digitalisierung bestimmten die Diskussion.

Wenig später folgte ein Gespräch zwischen Frauke Lüpke-Narberhaus von bento und Sebastian Horn von ze.tt. Die beiden Chefredakteure der Jugendmagazine erklärten, wie sie ihre Leserschaft erreichen und in den Sozialen Medien Präsenz zeigen. Sie betonen immer wieder, wie wichtig es sei, auf die junge Generation einzugehen. Es gehe um: „Meinung, Meinung, Meinung“ – die muss man haben, zu allem, um jeden Preis. Themen, die diese jungen Menschen berühren, inspirieren und abholen sollen. In den anschließenden Diskussionen wird auch viel Kritik laut, denn diese Form des Journalismus führe nicht über den Tellerrand hinaus.

Notizenposter zur Wissenswerte
Poster-Dokumentation der Session mit bento und ze.tt (Foto: Alessa Auerswald)

Der nächste Termin war die Unterhausdebatte, angelehnt an die Diskussionskultur des britischen Parlaments. Schon das erste Statement zum Thema Grüner Lobbyismus sorgte für heftige Diskussion: „Ist das Zuspitzen mit dem Ziel, Aufmerksamkeit für wichtige Themen zu schaffen, gerechtfertigt? „Heuchler, ihr macht das alle so, jetzt tut doch nicht so moralisch“, tönt es durch den Saal.

Die Regeln sind einfach, zwei Seiten, die eine pro, die andere contra, die sich gegenübersitzen. Wer schwankt, plötzlich seine Meinung ändert oder etwas zu sagen hat, zu demjenigen kommen die Moderatoren und stellen unbequeme Fragen. Sollten Journalisten mit Umweltorganisationen zusammenarbeiten wenn es um ein vermeintlich gutes Ziel geht, wie das Einsparen von CO2?

Viel Neues ergab die Debatte nicht. Auch im letzten Jahr handelte die Diskussion von der Glaubwürdigkeitskrise des Journalismus. Viele Fragen, wenige Antworten. Das von Angela Merkel anberaumte postfaktische Zeitalter hat scheinbar alle überrollt. Antworten oder Gegenmaßnahmen sind rar. Doch gerade die müssen gefunden werden, das hat die diesjährige Unterhausdebatte einmal mehr gezeigt.

Den Abschluss der Wissenswerte bildeten die Exkursionen in Wissenschaftseinrichtungen rund um Bremen. Eine führte ins MARUM Forschungszentrum für Marine und Umweltwissenschaften. Hier gehen Geowissenschaftler dem Meer auf den Grund. Mit Hilfe verschiedener Bohrkerne aus den sieben Weltmeeren untersuchen die Forscher dort die Entwicklung der Erde und des Klimas. Besonders beeindruckend: ein Bohrkern, östlich von Florida geborgen, in dem Forscher Spuren des Meteoriteneinschlags erkennen konnten, der vor etwa 65 Millionen Jahren das Aussterben der Dinosaurier verursachte. Ein anderer Bohrkern verdeutlicht die Folgen eines früheren Anstiegs der Temperatur: das Sediment verändert sich und Lebensspuren sind plötzlich nicht mehr sichtbar. Durch Analysen wie diese können die Wissenschaftler unter anderem Aussagen über den Klimawandel treffen. So ermöglichen uns die Gesteine und Sedimente nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft.

Nach drei Tagen in der Welt des Wissenschaftsjournalismus und vielen Anregungen und Gesprächen ging die Reise wieder zurück nach Karlsruhe. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal für das Reisestipendium der Fachschaft GeistSoz und dem Institut für Germanistik bedanken, das uns die Teilnahme an der Wissenswerte ermöglichte.

Alessa Auerswald, Carolin Lebek, Lea Krug und Sophia Lother

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Wissenschaftsjournalismus zwischen Medienwandel und Glaubwürdigkeitskrise – die Wissenswerte 2016

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