Die KIT-Nachwuchsgruppe “Science in Presentations” am Institut für Wissenschaftskommunikation untersucht, wie Wissenschaftler ihre Themen in der Öffentlichkeit präsentieren. Für eine erste Feldforschung besuchten die Projektmitglieder das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft, Philipp Schrögel erzählt von ihrer Zeit an Bord.

Die MS Wissenschaft liegt in Kiel vor Anker (Foto: Christiane Hauser)
Die MS Wissenschaft liegt in Kiel vor Anker (Foto: Christiane Hauser)

Ja, auch Kommunikationswissenschaftlerinnen und – wissenschaftler verbringen nicht die ganze Zeit am Schreibtisch, sondern unternehmen auch mal Forschungsexpeditionen, um Daten zu erheben. Zwar nicht im rauen Atlantik, sondern im geschützten Kieler Hafen, und auch nicht auf der „Polarstern“, sondern auf der „MS Wissenschaft“ – aber das ist nicht minder spannend, Forschungsschiff ist Forschungsschiff!

Auch das Design der Ausstellung führt das Publikum unter die Wasseroberfläche (Foto: Christiane Hauser)
Auch das Design der Ausstellung führt das Publikum unter die Wasseroberfläche (Foto: Christiane Hauser)

Die „MS Wissenschaft“ ist ein zum Ausstellungsschiff umgebautes Binnenschiff, das im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung auf Flüssen und Kanälen durch Deutschland fährt. So können die verschiedensten Regionen erreicht werden, ohne wie bei einer klassischen Wanderausstellung immer neu auf- und abbauen zu müssen. Koordiniert wird das Projekt von „Wissenschaft im Dialog“.

Die Ausstellung ist an den Themen des jeweiligen Wissenschaftsjahres orientiert, im Jahr 2016*17 ist dies „Meere und Ozeane“. Die Ausstellungsreise der MS Wissenschaft begann am 3. Mai 2016 in Kiel, die Tour für dieses Jahr wird vier Monate dauern und endet am 6. September in Bonn. Wir haben diesen Anlass gleich genutzt, um für unser Projekt selbst auf eine Forschungsreise zu gehen.

Prof. Dr. Krastel vom Exzellencluster ‚Future Ocean’ erläutert sein Forschungsgebiet am interaktiven Poster (Foto: Philipp Schrögel)
Prof. Dr. Krastel vom Exzellencluster ‚Future Ocean’ erläutert sein Forschungsgebiet am interaktiven Poster (Foto: Philipp Schrögel)

An Bord des Schiffes ist keine klassische Galerie aufgebaut, die nur aus textlastigen Schautafeln und verstaubten Vitrinen besteht. Das Konzept orientiert sich sehr stark an Science Centern: Es gibt viele Exponate zum Anfassen, Ausprobieren und Mitmachen, interaktive Displays, Spiele, Videos und Geschichten. Das erklärte Ziel ist, „aktuelle Forschungsarbeiten zu einem gesellschaftlich relevanten Thema“ zu zeigen, dafür zu begeistern und Diskussionen anzuregen.

Mit unserer Forschungsexpedition haben wir die MS Wissenschaft dann auch noch auf eine weitere Weise zum Forschungsschiff gemacht: Im Rahmen unseres Projektes Science in Presentations haben wir Präsentationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einem interaktiven Poster untersucht. Genauer gesagt handelte es sich um eine angepasste Variante des „Next Generation Scientific Posters“, das vom SciCom Lab im Rahmen des Exzellenzclusters „Future Ocean“ entwickelt wurde. Thema des Posters ist die Entstehung von Tsunamis, beispielsweise durch Erdbeben oder Hangrutschungen am Meeresboden.

Zwei Freiwillige mit den Blickaufzeichnungsbrillen (Foto: Philipp Schrögel)
Zwei Freiwillige mit den Blickaufzeichnungsbrillen (Foto: Philipp Schrögel)

Die zentrale Frage unserer Forschung ist, wie das Publikum Präsentationen wahrnimmt. Um dies zu beantworten, haben wir zum einen die Blickbewegungen von jeweils zwei Freiwilligen im Publikum während der Vorträge am interaktiven Poster mit einer Eye-Tracking-Brille aufgezeichnet. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf den Aufmerksamkeitsfokus ziehen. Zum anderen haben wir mittels eines Fragebogens den Eindruck von allen , die beim Vortrag zugeschaut haben, abgefragt und weiterhin im Anschluss jeweils kurze Interviews mit den Vortragenden und den freiwilligen Trägerinnen und Trägern der Blickaufzeichnungsbrillen geführt. Wer ein weitergehendes Interesse am Forschungsfeld und an der Methodik hat, hier ist ein Link zu einem früheren Artikel von Philipp Niemann.

Wie bei jeder „echten“ Expedition geht die Arbeit erst richtig los, wenn man wieder im Heimathafen angekommen ist. Wir müssen jetzt zwar keine gefangenen Insekten katalogisieren oder geraubten Kulturschätze beschriften, aber die Blickaufzeichnungsdaten, Fragebögen und Interview-Mitschnitte müssen ausgewertet werden. Wir sind schon fleißig dabei und auf die ersten Ergebnisse gespannt.

Ins rechte Licht gerückt: Tiefsee-Lebewesen (Foto: Philipp Schrögel)
Ins rechte Licht gerückt: Tiefsee-Lebewesen (Foto: Philipp Schrögel)

Noch mehr Bilder und Eindrücke haben wir auf unserem Instagram-Account gesammelt. Übrigens: dieses Jahr ist die MS Wissenschaft im Norden Deutschlands unterwegs, 2017 kommt sie in den südlichen Teil und wird dann auch in Karlsruhe Station machen.

Philipp Schrögel

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Forschungsexpedition auf dem Wissenschaftsschiff

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