Sophia Lother aus dem Master WMK hat vom 01. bis 4. Mai 2016 an einem Workshop Wissenschaftsjournalismus zum Thema „Schreiben über Informatik“ am Leibniz-Zentrum für Informatik auf Schloss Dagstuhl teilgenommen. Für den WMK-Blog schildert sie ihre Eindrücke und hat sich dabei von der Atmosphäre des Ortes inspirieren lassen.

Es waren einmal zwölf Unerschrockene, die auf eine der prachtvollsten Burgen des Saarlandes auszogen. Die Burg mit dem Namen Dagstuhl, einst auf einem Vulkanberg erbaut, beherbergte anno dazumal das Institute zu Ehren des großen Denkers Gottfried Wilhelm Leibniz. Getreu dem Denker hatte man sich hier der Wissenschaft der Informatik verschrieben.

Schloss Dagstuhl bei Wadern im Saarland (Bild: Schloss Dagstuhl - Leibniz-Zentrum für Informatik GmbH)
Schloss Dagstuhl bei Wadern im Saarland (Bild: Schloss Dagstuhl – Leibniz-Zentrum für Informatik GmbH)

Hier trafen sich die zwölf nun, um sich in den verwinkeltsten Gebieten der Informatik zu verlieren. Die stolzen Recken kamen aus den unterschiedlichsten Gebieten und Disziplinen der Landen. Studenten des Journalismus und Freischaffende aus Zeitung, Radio und Bewegtbild stellten sich einzeln der schier unlösbaren Aufgabe. Statt mit Schwert und Ross hatten sie sich mit Stift, Papier und Laptops daran gemacht, die undurchdringliche Disziplin, mit ihren Fallstricken aus Algorithmen und Programmen, Fuzzern und XML-Mates zu durchdringen. Kurz gesagt, die Novizen sollten zu Experten im Schreiben über Informatik ausgebildet werden.

Die Wissenschaftsjournalisten Gordon Bolduan und Tim Schröder leiteten die zwölf Teilnehmer an. Das Ziel: sich einem Informatikthema stellen und es bezwingen, indem die Recken es erst begreifen und anschließend dem gemeinen Volk darüber berichten sollten. Hier verbargen sich Fallstricke, denn ein Thema zu verstehen und es dann verständlich zu übersetzen, dazwischen liegen Welten. Außerdem bestand die hohe Kunst darüber hinaus, das Thema so interessant und spannend zu gestalten, dass auch der letzte Leser dies verstünde.

Hierfür hatten sie drei Tage Zeit, bevor sie ihre Texte dem Expertengremium vorlegen sollten. Der erste Tag legte den Grundstein. Was ist überhaupt eine gute Schreibe, wie kann man Informatik am besten verstehen und was muss in einen guten Text? Die erste Tageshälfte war vollgepackt mit Antworten. In der zweiten Hälfte des Tages stellten drei Wissenschaftler sich und ihre Projekte vor. Ein Wissenschaftler hatte sich der Erforschung und Verschlüsselung von MicroRNA verschrieben. Ein anderer der Suche nach Fehlern und besonders Sicherheitslücken in Betriebssystemen. Der dritte erforschte, wie räumliches Wissen virtuell abgebildet werden könne, um dadurch beispielsweise ein individuell auf den Nutzer zugeschnittenes Navi zu ermöglichen.

Drei Experten, drei spannende Themen. Nachdem die Novizen diese in der Nacht im Weinkeller näher kennenlernen konnten, begann der zweite Tag mit Pressegesprächen. Jeder angehende Informatikjournalist suchte sich einen Wissenschaftler aus, der ihm Rede und Antwort stand. Danach waren vier Stunden Zeit für 6000 Zeichen. Würde es den zwölf gelingen, alles Wichtige verständlich in Worte zu packen?

Die Gefahr war hoch, sich zu weit in Untiefen der Wissenschaft zu begeben und das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Als die Deadline immer näher rückte, sah man so manche zerrüttet und ausgelaugt in den Konferenzraum kriechen.

Immer spätere Stunden schlug die massive Standuhr im Turmzimmer, bis auch der Letzte sein erstes Feedback von den Wissenschaftsjournalisten Schöder und Bolduan bekommen hatte. Wenig Schlaf für einen perfekten Text war die Devise. Wer besonders viel Herzblut und Zeit investierte, konnte sich zu den fünf Glücklichen zählen, die am nächsten Tag noch von einem besonderen Gremium Feedback bekommen sollten. Es setzte sich zusammen aus den Wissenschaftlern, dem ehemaligen Direktor des Instituts Reinhard Wilhelm, dem derzeitigen Direktor Raimund Seidel und dem Journalisten der Saarbrücker Zeitung Volker Meyer zu Tittingdorf.

Die Kritiken waren präzise und messerscharf – so mancher musste schlucken. Denn letztendlich ist jeder Text der ganz persönliche Schatz eines Journalisten. Aber alle waren sich einig, nur Kritik macht erst einen guten Journalisten.

Erschöpft und glücklich verließen die zwölf nach vier Tagen Burg Dagstuhl in dem Wissen, einen großen Schritt weiter zu sein auf ihrem Weg in den Wissenschaftsjournalismus, auf dem Weg zum Schreiben über Informatik.

Sophia Lother

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Workshop Wissenschaftsjournalismus auf Schloss Dagstuhl
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