Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Lehrredaktion des Wintersemesters 2015/16, in der WMK-Studierende das Magazin Printerest erstellt haben.
Seminarleitung: Cornelia Varwig und Nicolaz Groll

E-Books, E-Journals und E-Newspaper: Warum werden alle Printmedien ins Digitale überführt? Sind gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen nicht mehr gut genug? Die Antwort vieler Online-Befürworter ist: „Ja! Niemand braucht mehr Print!“ Aber wie erklärt sich dann, dass die Deutschen jedes Jahr immer noch über drei Milliarden Euro für Zeitschriften ausgeben? Ist Print vielleicht doch gar nicht so tot, wie immer behauptet wird?

Wir haben jeweils sechs Gründe pro und kontra Print zusammengetragen.

Print ist tot!

1 DIE KOMMUNIKATION FEHLT

Die heutige Gesellschaft drängt dazu, sich mitteilen zu können. Bei vielen Anbietern von Online-Magazinen haben Nutzer die Möglichkeit, Kritik, Lob und Änderungswünsche in Kommentaren zu äußern. Durch Verlinkungen auf verwandte Seiten und Social-Media-Portale wird der Networking-Faktor angeregt. Themen können weitergetragen werden und eine rege Online-Kommunikation entsteht. Im Print gestaltet sich diese Möglichkeit als schwierig. Die Artikel werden still gelesen und seltener weiterkommuniziert.

2 PRINT IST NICHT FLEXIBEL

Einmal im Druck, ist es unmöglich, den Inhalt von Printmedien zu ändern. Nicht nur, dass sich mögliche Fehler nicht mehr korrigieren lassen, auch der Inhalt ist nur so lange aktuell, bis das Medium in den Druck geht. Im Netz hingegen ist es einfach, den Inhalt auch nach der Veröffentlichung noch zu ändern. So bieten Onlinemedien zusätzlich die Möglichkeit, Artikel zu aktualisieren, um Leser auf den neuesten Stand zu bringen.

3 MEHR INHALT IN ONLINE-MAGAZINEN

Lesen soll komfortabel sein. Damit eine Zeitschrift gut in der Hand liegt, ist ihre Seitenzahl begrenzt. Deshalb findet nicht jede Idee Platz in einer Zeitschrift. Online-Magazine sind diesem Problem nicht ausgesetzt. Hier können nahezu alle Inhalte und Ideen veröffentlicht werden. Ein großer Vorteil, denn je mehr Themen abgedeckt sind, desto mehr Leser werden angesprochen.

4 WENIGER KOSTEN – MEHR ERHALTEN

Wer sich ein Abonnement zugelegt hat, wird immer wieder von Preiserhöhungen überrascht. Gründe hierfür sind das Wegfallen von Werbepartnern sowie erhöhte Druck- und Papierkosten. Zwar wird auch im Netz nicht jeder Artikel kostenlos zur Verfügung gestellt, jedoch sind die Abo-Beiträge meist erheblich günstiger als für Printmedien.

5 MIT EINEM KLICK ZUR INFORMATION

Um sich über ein bestimmtes Thema zu informieren, nutzen immer mehr Menschen ihren Computer, statt zur Zeitschrift oder Zeitung zu greifen. Der Grund ist einfach: Bequemlichkeit. Ein kurzes Stichwort in die Suchmaschine getippt und schon bekommt man Sekunden später das geliefert, was man haben will. Während man sich also online leicht durch verschiedene Artikel zu einem Thema klicken kann, gestaltet sich die Suche nach dem Wunschthema in Printmedien schwieriger. Hat man den Weg zum nächsten Zeitungskiosk geschafft, muss in Inhaltsverzeichnissen gestöbert werden.

6 MULTIMEDIA IST IM PRINT NICHT MÖGLICH

Um möglichst viel Unterhaltung zu bieten, setzen Online-Magazine verschiedene Medien ein. So werden beispielsweise Videos zur Veranschaulichung eingebunden. Auch Tests und Umfragen lassen sich online besser auswerten und veranschaulichen. Print kann hingegen nur mit Bildern und Texten dienen.

Es lebe Print!

1 PRINT BERÜHRT DIE SINNE

Gedruckte Zeitschriften kann man anfassen, man hört die Seiten rascheln und riecht sogar die Druckfarbe. Laut einer Studie der Universität Kassel wirkt sich das positiv auf die Aufmerksamkeit der Leser aus. Demnach erinnern sich rund sieben Mal mehr Befragte an bedruckte Briefumschläge als an E-Mails. Onlinemedien werden diesen einzigartigen Vorteil nie erreichen.

2 PRINT ERREICHT JEDEN

Die Zeitschriften im Wartezimmer, das Plakat an der Bushaltestelle oder der Aufdruck auf dem Kugelschreiber. Print ist überall und wird im Alltag bewusst sowie unbewusst wahrgenommen. Er erreicht uns aber nicht nur unterwegs, wir bekommen zudem Bücher, Zeitschriften, Kataloge, Werbesendungen und Prospekte nach Hause geliefert. Laut der Bundesnetzagentur verteilt alleine die Deutsche Post jährlich 25 Milliarden Printprodukte. Die rund neun Milliarden Anzeigenblätter und Tageszeitungen sind dabei noch nicht einmal mit eingerechnet. Im Durchschnitt macht das 425 Druckprodukte pro Person pro Jahr.

3 PRINT IST NACHHALTIG

Den Artikel online lesen oder die Zeitschrift kaufen? Heute wissen wir, wie wichtig es ist, unseren ökologischen Fußabdruck auf der Erde so klein wie möglich zu halten. Das gelingt mit Print besser. Ausschlaggebende Faktoren sind die hohe Recyclingquote und die Tatsache, dass eine Zeitung beliebig oft und von mehreren Lesern genutzt werden kann. Grob kann man sagen, dass man beim Lesen einer Zeitung circa 20 Prozent weniger CO2 verbraucht, als beim Lesen desselben Artikels auf einem Laptop oder Tablet. Wobei dieser Wert von vielen Faktoren abhängt, wie zum Beispiel, was für einen Strommix man bezieht, auf welches Papier gedruckt und welche Fahrzeuge für den Transport verwendet wurden.

4 PRINT MACHT GESCHÄFT

Ausschlaggebend für die Produktion und den Verkauf von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen ist immer noch die Ökonomie. Printmedien bringen dabei mehr Geld ein als Online-Produkte: Nicht nur durch den Verkauf von Magazinen, sondern auch durch Anzeigen. Laut einer Studie des Zentralverbands der Deutschen Werbewirtschaft investierten deutsche Unternehmen 2011 knapp 19 Milliarden Euro in Werbung. Davon wurden 13 Milliarden für gedruckte Medien verwendet.

5 PRINT IST EIN WACHSTUMSMARKT

Aufgrund der langen Tradition und revolutionären Rolle in der Geschichte, die Printmedien nun einmal haben, sind diese in der Gesellschaft und Wirtschaft fest eingewoben. Dass Print wächst, belegen die Zahlen: Fast 1600 periodisch erscheinende Publikumszeitschriften wurden im Jahr 2014 in Deutschland zum Verkauf angeboten. Darunter 133, die im selben Jahr erst neu auf den Markt gebracht wurden.

6 PRINT IST BESCHRÄNKT

Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil wirkt, ist tatsächlich ein enormer Vorteil von Printmedien. Wer eine Zeitschrift liest, vertraut dieser Quelle. Die Aufgabe einer Zeitschrift ist es, Inhalte auszuwählen, einzuordnen und die Artikel in Beziehung zu ihrem Kontext zu setzen. Daraus entsteht ein vielseitiger, reflektierter Blick auf bestimmte Themen.

FAZIT: Wie sieht die Zukunft von Print aus? Sind wir bereit Print aufzugeben? Für viele ist die Antwort überraschend: Print wächst! Der Grund hierfür ist simpel: Gedruckte Magazine kommen bei den Leuten an! Trotzdem lässt sich der praktische Nutzen von Online-Plattformen nicht leugnen. Auch unser Magazin ist online vertreten.

Jana-Romina Bulling und Elena Pattberg

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Print und Kontra
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