Es war eine Premiere für Karlsruhe: Am 29. Januar 2016 fand am KIT zum ersten Mal eine Nacht der Wissenschaft statt. In anderen deutschen Städten sind solche “Langen Nächte” seit Jahren ein beliebtes Format der Wissenschaftskommunikation. Das machte uns natürlich neugierig, deshalb hat sich Lisa Leander ein paar der Vorträge angesehen. Die Besucher erwarteten volle Säle, ein vielseitiges Programm und einige schöne Beispiele, wie wissenschaftliche Themen einem buntgemischten Publikum präsentiert werden können.

Wissenschaft bis tief in die Nacht im Chemiegebäude des KIT (Bild: NdW)
Wissenschaft bis tief in die Nacht im Chemiegebäude des KIT (Bild: NdW)

Die Nacht der Wissenschaft hat die gleichnamige Hochschulgruppe geplant und durchgeführt, die vom KIT, dem AStA am KIT und dem Arbeitskreis Kultur und Kommunikation unterstützt wurde. Vom Erfolg der Veranstaltung waren die Organisatoren selbst überrascht, rund 1000 Menschen drängelten sich in den Hörsälen des Chemiegebäudes. Angeboten wurden 18 Vorträge aus zehn Fachbereichen des KIT, die in den ersten Stunden in Parallelsessions stattfanden. Für die besonders ausdauernden Zuhörer und Dozenten ging das Programm bis vier Uhr nachts.

Zukunftsvisionen früher und heute

Mit den “gescheiterten Technikträumen” hatte Prof. Dr. Kurt Möser vom Institut für Geschichte einen kuriosen Aufhänger für seinen Vortrag gewählt. Er stellte Visionen aus den vergangenen 200 Jahren vor, die nie den Durchbruch geschafft haben. Dazu gehörten künstliche Eisberge als Flugzeugträger, Luftschiffe mit Atomantrieb, Unterwasserstädte oder die Trockenlegung des Mittelmeers. Andere Ideen erscheinen weniger abwegig, auch wenn sie nicht so umgesetzt wurden wie gedacht – etwa die eines Bildtelefons aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Das Orga-Team der Nacht der Wissenschaft (Bild: NdW)
Das Orga-Team der Nacht der Wissenschaft (Bild: NdW)

Immer wieder sind solche Vorstellungen ein Spiegel ihrer Zeit und der Gesellschaft, in der sie entstanden sind. Mit dem Sieg des Kommunismus sollten Roboter einfache, lästige Tätigkeiten übernehmen, damit die Menschen nur noch deligieren müssen. Themen wie die Gewinnung sauberer Energie oder wie wir uns in Zukunft fortbewegen werden, beschäftigen uns dagegen noch heute.

Passenderweise kam die Elektromobilität bei der Nacht der Wissenschaft ebenfalls vor, obwohl ich diesen Vortrag leider nicht gesehen habe. Der große Erfolg der Elektroautos dürfte wohl zu den noch unerfüllten Technikträumen gehören.

Neutrinos und digitale Kunst

Prof. Dr. Thomas Schwetz-Mangold erklärt Neutrinophysik (Bild: NdW)
Prof. Dr. Thomas Schwetz-Mangold erklärt Neutrinophysik (Bild: NdW)

Zurück zur Grundlagenforschung führte Prof. Dr. Thomas Schwetz-Mangold vom Institut für Kernphysik. Er widmete sich den Neutrinos, die zu den häufigsten Teilchen im Universum gehören. Da sie jedoch sehr selten mit anderen Teilchen in Wechselwirkung treten, sind sie schwer zu untersuchen. Zwischen Kosmologie und Quantenphysik zeichnete Schwetz-Mangold die wichtigsten Etappen der Erforschung der Neutrinos nach. Die Neutrino-Oszillation, die Wissenschaftlern lange Rätsel aufgab, erklärte er folgendermaßen: “Stellen Sie sich vor, Sie kaufen am Strand ein Schokoladeneis. Dann laufen Sie ein paar Schritte und plötzlich schmeckt Ihr Eis nach Vanille.” So sonderbar der Vergleich klingen mag, auch bei den Neutrinos spricht man von verschiedenen “Flavours”, zwischen denen die Teilchen wechseln können.

Um Mitternacht startete Canan Hastik, Dozentin für Sprach- und Literaturwissenschaften am KIT, mit den “Digital Humanities”. Diesen Begriff kannten im Publikum wahrscheinlich wenige, er lässt zuerst an Digitale Medien denken und wie sie das Verhalten der Menschen verändern. Hastik machte klar, dass es hier um Subkulturen und neue Kunstformen geht, die das Zeitalter von Computern und Internet hervorgebracht hat. Sie selbst erforscht die sogenannte Demo-Szene, deren Ursprung in den 80er-Jahren liegt, als Heimcomputer und Computerspiele populär wurden. Die Mitglieder der Szene kopierten die Spiele und programmierten zunächst kurze, mit Musik unterlegte Intros dazu. Mit der Zeit wurden die Intros immer ausgefeilter und spektakulärer, einige davon ließ Hastik über die Leinwand im Hörsaal flimmern.

Voller Hörsaal selbst um Mitternacht - Canan Hastik über die Kunst der Demo-Szene (Bild: NdW)
Voller Hörsaal selbst um Mitternacht – Canan Hastik über die Kunst der Demo-Szene (Bild: NdW)

Die kleine Auswahl an Vorträgen zeigt bereits eine breite Palette an Themen. Obwohl die Schwerpunkte so unterschiedlich waren, konnte man immer wieder Berührungspunkte entdecken: Elektroautos und andere Zukunftsträume, Neutrinoforschung als ein Stück Wissenschaftsgeschichte sowie das Zusammenspiel von Gesellschaft, Technik und Kunst. Die Mischung von Geistes-, Natur- und Technikwissenschaften im Programm war insgesamt gut gelungen. Auf der Website kündigt das NdW-Team bereits die nächste Nacht der Wissenschaft 2017 an. Sicher wird es dann ein paar Änderungen bei Räumen und Technik geben, damit mindestens so viele Besucher wie dieses Jahr dabei sein können.

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Die erste Nacht der Wissenschaft am KIT

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