Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Lehrredaktion des Wintersemesters 2015/16, in der WMK-Studierende das Magazin Printerest erstellt haben.
Seminarleitung: Cornelia Varwig und Nicolaz Groll

Karlsruhe Hauptbahnhof – noch 15 Minuten bis die Bahn fährt. Gerade noch genug Zeit, sich eine Zeitschrift für die Fahrt zu besorgen. Doch welche bloß? Eine schnelle Entscheidung muss her, die Bahn wartet schließlich nicht. Bei der großen Auswahl und Vielfalt an Zeitschriften, die der Kiosk am Bahnhof zu bieten hat, kein einfaches Vorhaben. Auf Augenhöhe fallen mir zunächst die üblichen Verdächtigen auf. Der Stern mit prägnanten Schlagzeilen à la „Bizarrer Sektenkult – Schlangenprediger in den USA“. Auffallend sind jedoch nicht nur die Schlagwörter, sondern vor allem die emotionalen Bilder der Titelseiten. Ein Mensch auf einem Weg, entlang zwischen Hügeln und hinein in den Sonnenuntergang. Am Horizont prangen die Wörter: „Neustart – Wege zum Glück“.

Eindrucksvoll, prägnant und dennoch schlicht – das wirkt. Und auch wenn ich meinen Weg zum Glück noch suche, schweift mein Blick weiter und bleibt schließlich an der hellgrünen Geo hängen. Auf dem Cover mit der grellen Hintergrundfarbe ist eingerahmt eine Schwarz-Weiß-Fotografie zu sehen, die ein junges Pärchen zeigt, das sich skeptisch begutachtet. „Die Kunst der Versöhnung“ strahlt mir die Coverzeile in Rot entgegen. Auch beim Durchblättern entdecke ich viele interessante und meist doppelseitige Fotografien. Eine Babyschildkröte bei einem Tauchgang, fliegende Ballons und wieder das Pärchen, diesmal jedoch in Farbe und mit verliebten Blicken. Ja, die Zeitschrift nehme ich. So, nun schnell zum Bahnsteig.

Es ist eine Situation, die aus dem Leben gegriffen ist und sich meist innerhalb weniger Minuten abspielt. Design und Layout einer Zeitschrift beeinflussen das Kaufverhalten ungemein, meist unbewusst. Spricht mich die Titelseite an, nehme ich die Zeitschrift zur Hand und blättere sie durch. Stimmen dann auf den ersten Blick auch noch Themen und Aufbau – sprich, mir fallen direkt spannende Schlagzeilen ins Auge und auch die Bilder und Grafiken machen mich neugierig, so wächst die Chance, dass ich die Zeitschrift kaufen werde. Doch Design und Layout zielgruppengerecht zu konzipieren, ist kein einfaches Unterfan-gen. Zeitschriften-Riesen wie der Stern oder die Geo haben für diese Konzeption Experten, die darauf spezialisiert sind, Layout und Cover zu gestalten sowie das Design zu bestimmen. Die Überforderung war uns allen daher zu Recht ins Gesicht geschrieben, als es hieß: „Selbstverständlich gestaltet ihr das Layout eigenständig.“ Für dieses Unterfangen wurde dem auserwählten Layout-Team das Programm InDesign von Adobe sowie eine Schulung dieses Programmes zur Verfügung gestellt. Danach waren sie auf sich allein gestellt. Zumindest fast – „Meister“ Groll (unser Dozent) stand ihnen bei Fragen stets unterstützend zur Seite.

Das Layout-Team gestaltet die Seiten des Magazins.
Das Layout-Team gestaltet die Seiten des Magazins.

Vorweg ist es fundamental, die Zielgruppe festzulegen, die unsere Zeitschrift Printerest ansprechen soll. Die Zielgruppe – ja, die bist dann wohl du! Die noch viel größere Herausforderung war allerdings herauszufinden, mit welchem Layout wir es nun schaffen, dein Interesse für unsere Zeitschrift zu wecken. Außerdem war zu überlegen, wie das Design aussehen soll, welches dich anspricht, deine Interessen widerspiegelt und gleichzeitig unsere Message angemessen und gut verkauft.

Das Titelthema unserer Zeitschrift ist das Making-of. Das Layout-Team hat sich dafür entschieden, weil es gut zu unserem Gesamtkonzept Zeitschrift über Zeitschriften passt. So können wir dich als Leser von Beginn an mitnehmen auf die Reise der Entstehung einer Zeitschrift. Du bist hautnah dabei, bekommst Einblick in die Abläufe, die wir durchlebt haben, und lernst nebenbei die Basis für das Verständnis von Print-Produkten kennen. Neben dem Titelthema musste das Layout-Team auch die vielen anderen Artikel platzieren und aufbereiten. Dafür bildeten sie drei Rubriken mit jeweils eigener Farbgebung: Personal, General und Special, zu denen die Artikel thematisch zugeordnet wurden. Die allgemeine Farbgebung der Zeitschrift basiert auf eher gedeckteren Farben. Wichtig war dem Layout-Team dabei, dass man die ausgewählten Farben gut variieren und kombinieren kann. Für spezielle oder wichtige Themen wurden auffällige Farben wie Rot und Lila gewählt, da diese Farben direkt ins Auge fallen und so die gewünschte Aufmerksamkeit erregen. Dabei wurden die Titelthemen nochmal gesondert hervorgeho-ben, indem sie mit einem doppelseitigen Bild eröffnet werden. Das betont den Stellenwert, und du kannst schon beim ersten schnellen Durchblättern erkennen, bei welchen Artikeln es sich um größere handelt. Wichtig ist es außerdem, dass auch der Zusammenhang zum Namen unserer Zeitschrift erkennbar ist. Das Wort „Printerest“ ist in Anlehnung an die Onlineplattform „Pinterest“ (Zusammensetzung aus dem engl. „pin“= anpinnen und „interest“= Interesse) entstanden. In dem sozialen Netzwerk können die Nutzer Bilder und Textpassagen an eine virtuelle Pinnwand heften. Getreu dem Motto sind in unserer Zeitschrift auch immer wieder einzelne Elemente zu finden, die wie „angepinnt“ aussehen.

Wie du siehst, stecken viele Gedankengänge hinter dem bloßen Layout einer Zeitschrift. Ein ganz schöner Gegensatz, wenn man bedenkt, dass der Leser darüber unbewusst und innerhalb weniger Sekunden sein erstes Urteil fällt. Da sieht man, dass das altbekannte Sprichwort, es komme nur auf die inneren Werte an, hier nicht anwendbar ist. Denn manchmal ist es eben doch der erste Eindruck, der zählt, und so über den Kauf einer Zeitschrift entscheidet.

Mehr zu unserem Magazin  findet ihr auf unserer Facebook-Seite.

Kira Marie Hetberg, Kay Koch, Alex Windhab, Larissa Hadasch

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Design & Layout: Die heimlichen Stars einer Zeitschrift
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