Ein Journalist interviewt einen Wissenschaftler und legt ihm danach den fertigen Text zum Faktencheck vor – eine gängige Praxis? Dieser Frage wollte Dr. Alexander Mäder, Ressortleiter Wissenschaft bei der Stuttgarter Zeitung, auf den Grund gehen. Nach einer kurzen Umfrage unter seinen Twitter-Followern stellte er das Thema unseren WMK-Studierenden vor. Sein Fazit: Die Argumente für das Gegenlesen sind schwach, vor allem dann, wenn Wissenschaftsjournalisten die richtigen Themen setzen. Einen ausführlichen Kommentar dazu hat Mäder für das meta-Magazine geschrieben, die Ergebnisse der Umfrage fielen wie folgt aus.

Aus der kleinen ad-hoc-Befragung lässt sich nicht abschätzen, wie häufig Journalisten tatsächllich gegenlesen lassen oder ob es von Wissenschaftlern und Pressesprechern sogar eingefordert wird. Aus der Sicht von Alexander Mäder ist ein Faktencheck nur in einzelnen Fällen ratsam, zum Beispiel wenn eine komplexe Infografik erstellt werden soll. Texte durch Dritte – also andere Wissenschaftler aus dem gleichen Fachgebiet – prüfen zu lassen, wäre zwar ein möglicher Vorschlag, ist in der Praxis aber kaum umsetzbar.

Mäder diskutierte mit unseren Studierenden stattdessen, warum die Absicherung durch den Experten überhaupt eine Rolle spielt. Das bloße Wiedergeben von Faktenwissen sei nicht die eigentliche Aufgabe des Journalisten. Sie sollten öfter gesellschaftliche Fragen aufgreifen und über langfristige Forschungsvorhaben berichten anstatt über einzelne Befunde. Beispiele dafür sind Raumfahrtmissionen, fortgeschrittene klinische Studien zu neuen Medikamenten, die Folgen von Abkommen zum Klimaschutz oder Ethikdiskussionen zur Gentechnik. Hier kommen auch Punkte wie die eigene Experise ins Spiel, die nur dann aufgebaut werden kann, wenn man sich dauerhaft mit Themen beschäftigt, sowie Anforderungen an den Journalismus, die ihn vom Feld der Public Relations abgrenzen. “Wissenschaftsjournalisten sind keine Wissenschaftler”, erinnerte Mäder daher am Ende seines Vortrags.

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Die Debatte ums Gegenlesen im Wissenschaftsjournalismus

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