Vergleicht man ihre Abrufzahlen mit den Downloads beliebter Videos auf Youtube, dürften Podcasts weiterhin als Format für Liebhaber gelten. Ein Blick auf die Merkmale und Vielfältigkeit des Mediums zeigt jedoch, dass gerade wissenschaftliche Themen hier Nutzer erreichen, die sich von einem spannenden Beitrag gerne eine Stunde oder länger fesseln lassen.

Kommunikationswissenschaftlerin Nele Heise ist nicht nur selbst Mitbegründerin eines Wissenschaftspodcasts, nämlich dem Bredowcast vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg. In ihrer Dissertation erforscht sie darüber hinaus Podcasts in der Wissenschaftskommunikation. Sie hat uns bei WMK besucht und den Masterstudierenden unter anderem einen Einblick in die Vielfalt der deutschen Podcastlandschaft gegeben. Die Folien ihrer Präsentation hat sie mittlerweile online zur Verfügung gestellt:

Nach ihrem Vortrag war Nele Heise bei Modellansatz zu Gast, dem Podcast aus der Fakultät Mathematik am KIT. Dort sprach sie mit Gudrun Thäter und Sebastian Ritterbusch über ihre eigenen Erkenntnisse und das Konzept hinter Modellansatz. Die Folge und ein ausführlicher Beitrag mit vielen Linktipps sind hier zu finden.

Nutzung und Angebot von Wissenschaftspodcasts

Podcasts können heute über RSS-Feeds, Streaming-Dienste oder spezielle Apps bequem abonniert und auf mobilen Geräten überall abgespielt werden. Das macht sie zu einem beliebten “Nebenbei-Medium”, was wohl ein Grund dafür ist, warum viele Nutzer längere Folgen schätzen. Ein anderer Faktor ist die persönliche Note, die nicht nur durch die Stimmen der Moderatoren, sondern durch die Interaktion mit den Nutzern und die Gestaltung des Podcasts selbst zustande kommt. Wie Nele Heise zeigte, ist Subjektivität und Experimentierfreude bei Audioformaten erlaubt: Persönliche Gespräche kommen genauso vor wie Debatten zu aktuellen Themen oder humorige Elemente.

Produziert werden die Podcasts von Forschern selbst, von Journalisten oder in Auftrag von wissenschaftlichen Institutionen. Das Angebot ist groß, Henning Krause, Social Media Manager der Helmholtz-Gemeinschaft, hat 2014 im Augenspiegel-Blog Audiopodcasts rund um das Thema Wissenschaft gesammelt. Seit Kurzem ist wissenschaftspodcasts.de online, dort arbeitet ein Team von erfahrenen Podcastern an einer kuratierten Liste, mit der sie gute Formate bekannter machen wollen.

Mit den diversen Formen, Akteuren und Zielgruppen von Podcasts in der Wissenschaftskommunikation befasst sich Nele Heise in ihrer Forschung. Für ein Teilprojekt führt sie ebenfalls eine Liste, und zwar zu Podcasterinnen im deutschsprachigen Raum. Die Zahl von Frauen, die Podcasts machen oder mitgestalten, ist deutlich geringer als die ihrer männlichen Kollegen, trotzdem konnte Heise mehrere Beispiele aufzeigen, Bredowcast und Modellansatz sind zwei davon. Immer wieder trauen sich neue Akteurinnen oder Akteure an das Medium Podcast heran und bringen ihre Themen und Ideen ein.

Nicht vergessen wollen wir an dieser Stelle unseren eigenen SciComm-Podcast über die Erforschung der Wissenschaftskommunikation. Er geht erstmal in die Weihnachtspause, die nächste Folge kommt am 13. Januar.

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Reinhören in die Wissenschaft: Podcasts in der Wissenschaftskommunikation
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