Die Vorlesung als Livestream, das Lernmaterial im Online-Forum und mit den Kommilitonen ist man über das Internet sowieso vernetzt – digitale Anwendungen haben in der Lehre längst Einzug gehalten. Doch viele von ihnen sind noch in der Erprobungsphase oder stehen nur an einzelnen Universitäten zur Verfügung. Auf dem Symposium „Digitale Trends 2025 – Entwicklungen in der akademischen Bildung“ am Zentrum für Mediales Lernen (ZML) am KIT sprachen die Teilnehmer deswegen über Praxisbeispiele und neue Impulse. Auch die Wünsche und Bedenken von Dozierenden, Studenten und Datenschützern waren Thema.

Das Symposium wurde vom ZML mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg veranstaltet und bot für uns von WMK die Möglichkeit, mehr über die Angebote am KIT und an anderen Universitäten zu erfahren. Die Veranstaltung wurde per Video aufgezeichnet, der folgende Beitrag geht auf einige der Vorträge und Diskussionen ein.

Perspektiven und aktuelle Beispiele vom KIT

Den Auftakt des Symposiums bildeten die Ergebnisse der Untersuchung „Mediale Hochschulperspektiven 2020 in Baden Württemberg“, die Gerd Gidion, wissenschaftlicher Leiter des ZML, vorstellte. Die Studie gibt einen Überblick, welche internetbasierten Lernanwendungen schon genutzt werden, welche Ideen vielversprechend sind für die kommenden Jahre und was in der weiteren Zukunft verwirklicht werden könnte. Als ein Beispiel für Konzepte, die bereits erfolgreich realisiert wurden, nannte Gidion die MOOCs (Massive Open Online Courses) am ZML. MOOCs sind rein online-organisierte Kurse, die mit Videos, Foren und Lernplattformen eine große Zahl von Teilnehmern erreichen können. 2014 liefen erstmals der Kurs „MOOCen gegen chronische Aufschieberitis“, der mit dem deutschen Bildungsmedienpreis „digita“ ausgezeichnet wurde, sowie die Ringvorlesung zu MOOC@T9, einem Kooperationsprojekt von neun technischen Universitäten in Deutschland.

Als kommende Entwicklung sieht Gidion Systeme, die den gesamten „Student Life Cycle“ abbilden, also nicht nur die aktuellen Lehrveranstaltungen und Prüfungen eines Studenten, sondern seinen gesamten Werdegang von der Bewerbung bis hin zum Alumnus. An einer Umsetzung mit den eigenen Campus-Management-Systemen arbeiten bereits mehrere Universitäten in Deutschland. Die Vernetzung von Studenten, Mitarbeitern oder Gästen auf dem Campus spielt ebenfalls eine große Rolle. Die Gruppe Cooperation & Management am Institut für Telematik des KIT forscht deswegen am Websystem SmartCampus, das Lerngruppen unterstützt oder Personen mit Behinderungen Informationen liefert, damit sie sich besser auf dem Campus zurecht finden.

Ein weiteres Projekt ist der Lecture Translator am KIT, der deutsche Vorlesungen automatisch und simultan ins Englische übersetzt. Der Text wird anschließend Studierenden mit Sprachschwierigkeiten direkt auf den PC oder aufs Smartphone geschickt. Der Service steht im Moment nur für ausgewählte Vorlesungen zur Verfügungen, er soll in Zukunft ausgeweitet und technisch verbessert werden.

Flipped Classrooms und mobiles Feedback: Erfahrungen von anderen Universitäten

Eine Mischung aus Präsenzveranstaltung an der Uni und E-Learning zuhause sind die Flipped Classrooms an der RWTH Aachen. Marcus Gerards aus der Fakultät Wirtschaftswissenschaften erklärte, welche Erfahrungen Dozierende und Studenten mit dieser Art der Lehre gemacht haben. Dabei bereiten die Studenten den Stoff mit Videos und Übungen vor, um ihn dann in der Vorlesung gemeinsam anzuwenden. Begleitend können sie in Online-Spielen ihr Wissen trainieren.

Durch die Flipped Classrooms soll einerseits jeder Teilnehmer in seinem eigenen Tempo arbeiten können, andererseits sollen viele kleine Einheiten und Zwischentests sicherstellen, dass wirklich kontinuierlich gelernt wird. Dieser Punkt wurde später mit dem Sprecher der Landesstudierendenvertretung Lukas Schulz diskutiert, der mögliche Probleme aus Sicht der Studenten ansprach. Er warnte davor, das Studium mit Leistungsüberprüfungen zu überfrachten, die Ausgewogenheit solcher Angebote stehe deshalb im Vordergrund.

Gleichzeitig müssten sich Studenten aber selbst für gute Lehre einsetzen, so Schulz, und über geeignete Lösungen und neue Ansätze nachdenken. Hier konnten ihm Michael Weyrich und Philipp Marks von der Universität Stuttgart zustimmen, die Dozierende und Studenten zu ihren Erfahrung mit E-Learning befragt hatten. In Stuttgart werden unter anderem Online-Livestreams von Vorlesungen eingesetzt in Verbindung mit dem mobilen Feedback-System MOFIAS, mit dem Studenten, während sie den Stream ansehen, Fragen an den Dozenten stellen können. Durch diese Technik sei zwar die Präsenz in den Vorlesungen gesunken, die Anzahl an Teilnehmern bei der Prüfung jedoch gestiegen. Ob die Studenten die Livestreams regelmäßig verfolgen, oder kurz vor der Prüfung versuchen, möglichst viel auswendig zu lernen, steht auf einem anderen Blatt. Laut Weyrich und Marks würde es den Dozenten helfen, wenn sie die Bedürfnisse der Studenten besser kennen würden und sich außerdem mit Kollegen vernetzen könnten, um Erfahrungen mit E-Learning-Techniken auszutauschen. Aus dem Publikum kam dazu der Hinweis auf die Online-Plattform eteaching.org, die genau diesen Austausch fördern will.

Was passiert mit den Daten, wenn so viele online lernen?

Ein letzter, jedoch sehr intensiv diskutierter Punkt war die Nutzung der Daten, die durch die digitale Lehre anfallen. Peter Salden von der TU Hamburg-Harburg führte eindrucksvoll vor Augen, was mit der Datenauswertung möglich wäre. E-Learning-Systeme könnten dem Nutzer nicht nur zurückspiegeln, wie groß sein Lernfortschritt ist, sondern Prognosen abgeben, wie wahrscheinlich es ist, dass er oder die anderen Mitglieder seiner Lerngruppe die Prüfung bestehen werden. Solche Auswertungen sind zwar in Deutschland nicht erlaubt. In anderen Ländern wie den USA sind sie aber zum Teil schon üblich. Marina Bitmann von der Abteilung Datenschutz am KIT führte anschließend genauer aus, welche Gesetzesgrundlagen hierzulande gelten. Insgesamt gilt: Es dürfen nur so wenige Daten gesammelt und gespeichert werden, wie für das Lehrangebot nötig sind, und die Nutzer müssen widersprechen können, ob sie ihre Daten preisgeben wollen. Anonymisierte Rückmeldungen an den Dozenten, zum Beispiel wie oft bereitgestellte Inhalte auf einer Lernplattform abgerufen wurden, sind dagegen erlaubt.

Akademische Mitarbeiterin in der Abteilung Wissenschaftskommunikation (Institut für Germanistik) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Vom MOOC bis zum Smart Campus – Digitale Trends in der Lehre
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