Open Access Logo (klein)Open Access boomt und auch wir befassen uns mit diesem neuen Publikationsmodell in Lehre und Forschung: Etwa wenn wir mit Studierenden besprechen, wie neue Publikationsweisen die Wissenschaftskommunikation insgesamt verändern. Ein neues Projekt liefert jetzt Daten, die spannende Einblicke in diese Veränderungen versprechen.

Immer mehr wissenschaftliche Zeitschriften stellen auf das Modell um. Damit steht auch das bisherige Geschäftsmodell der Zeitschriftenverlage auf der Kippe. Diese finanzierten sich bisher über hohe Gebühren für die Abonnements der Zeitschriften, größtenteils gezahlt von Hochschulen und Forschungseinrichtungen und damit finanziert aus öffentlichen Mitteln – den gleichen Mitteln, die die Forschung selbst zuvor erst ermöglicht haben. Die genaue Höhe der Gebühren ist schwierig einzuschätzen, da die geschlossenen Verträge meist nicht öffentlich sind. Die Gewinnmargen der Verlage liegen aber normalerweise bei 20 bis 40% und man geht von einem Durchschnittspreis von 5000$ pro Artikel aus. Das klassischen Publikationsmodell scheint also für die Verlage ein sehr lohnendes Geschäft zu sein.

Open Access stellt diese Einkommensquelle infrage, da Artikel aus Open Access Publikationen frei und kostenlos im Netz abrufbar sind. Zumindest theoretisch, denn beim vorherrschenden sogenannte „Gold Open Access“ findet eine Verlagerung der Gebühren statt – von den Abonnenten zu den Autoren. Wer in einem Open Access Journal veröffentlichen will, muss oftmals eine sogenannte Article Processing Charge (APC) zahlen, also eine Publikationsgebühr.

Übernommen wird diese meist ebenfalls wieder von den Hochschulen oder Forschungseinrichtungen, nicht vom individuellen Wissenschaftler selbst. Wie viele Kosten hierfür entstehen und an welche Verlage das Geld fließt, ist bisher unbekannt. Genau diese Lücke versucht nun das Projekt OpenAPC zu schließen.

Das Projekt will die bezahlten Publikationsgebühren deutscher Universitäten offen legen und damit vergleichbar machen. Bisher beteiligen sich zwölf Universitäten und drei Forschungseinrichtungen, darunter auch das KIT. Die Daten sind öffentlich über ein GitHub-Repository zugänglich.

Ein Blick auf die Daten

Ein erster, flüchtiger Blick auf die Daten, anhand des aktuellen Datenbestands und der von OpenAPC mitgelieferten Beispielauswertungen, zeigt dabei Folgendes:

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Durchschnittliche Publikationsgebühr nach Verlag

Die gezahlten Publikationsgebühren bewegen sich in einer relativ großen Spanne, von wenigen hundert Euro bis hin zu über 4000€. Durchschnittliche werden knapp 1226€ pro Artikel fällig und die durchschnittlichen Publikationsgebühren der einzelnen Verlage sind relativ nah beieinander.

Verglichen mit den durchschnittlichen 5000$ (beim aktuell schwachen Eurokurs etwa 4600€), die mutmaßlich für einen klassischen Journalartikel gezahlt werden, scheint Open Access also der öffentlichen Hand um einiges günstiger zu kommen.

Ob das gleichzeitig auch die Gewinnmargen der Verleger schmälert, ist allerdings unklar. Die wenigen Angaben, die man zu den Produktionskosten findet, legen nahe, dass diese „extremely low“ sind.

Zudem zeichnet sich ab, dass einige Big Player sich auch das Open Access Geschäft aufteilen könnten: In den OpenAPC-Daten dominiert mit großem Abstand Springer, gefolgt von der Public Library of Science (PLoS). Springer gehört bereits auf dem Markt für klassische wissenschaftliche Zeitschriften zu einem der Marktführer, neben Wiley und Elsevier. Die beiden letzteren Verlage tauchen interessanterweise bisher nicht in nennenswertem Umfang in den Daten auf.

plotPublisherAPC
Verteilung der Publikationsgebühren auf die Verlage

Zwar gibt es (noch) einen relativ großen „Longtail“, dies könnte aber zum einen dem relativ kurzen Zeitraum, den die Daten der meisten Institutionen bisher abdecken, und zum anderen dem begrenzten Teilnehmerfeld geschuldet sein.

Wenn sich beides verbessert, dürfte OpenAPC zahlreiche Möglichkeiten für spannende Analysen und Einblicke in das wissenschaftliche Publikationswesen eröffnen.

So löblich die Initiative von OpenAPC auch ist, vollständige Transparenz wird damit nicht hergestellt. Denn wie bereits Richard Van Noorden in einem Artikel für Nature anmerkte: Neben Publikationsgebühren gibt es auf dem Open Access Markt diverse weitere Finanzierungsmodelle, etwa institutionelle Mitgliedschaften oder Subventionierung durch Universitäten und Forschungseinrichtungen, deren Kosten durch das Projekt nicht erfasst werden (können).

OpenAPC gibt Einblicke in Kosten für Open Access
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